16.01.2008

"Kochs Schandtaten" an Energie und Umwelt

Die Bergsträsser Direktkandidatin Evelyn Berg (links) und MdL Ursula Hammann in Mörlenbach. Bild WN-OZ Schilling

Berichterstattung der Odenwälder Zeitung Mörlenbach. Die Botschaft ist klar: Ohne "Grün" ist ein Regierungswechsel in Wiesbaden nicht möglich. Und Ursula Hammann, umweltpolitische Sprecherin von Bündnis90/Die Grünen im Landtag, zählte bei ihrem Besuch in Mörlenbach jede Menge Gründe auf, weshalb die Ära Roland Koch in Hessen am 27. Januar enden soll. Dabei hatte sie sich "nur" die umwelt- und energiepolitischen Fehler der CDU-Regierung herausgepickt. "Die sind gravierend, aber nicht die einzigen", sagte sie den Gästen im Bürgerhaus. Abgesehen davon, dass unter Rot/Grün aufgebaute, funktionierende Strukturen durch die Energiepolitik der Koch-Regierung zerstört worden seien, setze die CDU noch immer auf Atomkraft und ignoriere beispielsweise die Möglichkeiten der Windenergie. "Eine völlig falsche Ausrichtung", ist sich Hammann sicher. Immer wieder strich sie an diesem Abend die Bedeutung der Windkraft in einem zukunftsfähigen Energiemix heraus. "Dass jetzt plötzlich ,ästhetische Gründe‘ gegen Windkraftanlagen sprechen sollen ist bezeichnend. Wo bitte schön ist die Ästhetik eines Kohlekraftwerkes?", unkte Hammann. Während für den Geopark Bergstraße/Odenwald Windkraftanlagen angeblich aus diesem Grund untragbar seien, wirbt beispielsweise der Geopark Natureifel sogar mit seinem eigenen Windpark. Die Zahlen scheinen eine deutliche Sprache zu sprechen: 55,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid blasen die Hessen jährlich in die Atmosphäre, als einziges Bundesland mit einem gestiegenem Pro-Kopf-Ausstoß. Folge: Schon jetzt ist die Temperatur im Mittel um fast ein Grad gestiegen. "Wir bekommen gravierende Probleme, mit einschneidenden Folgen für Natur und Landwirtschaft", warnt Hammann. Trotzdem setze die aktuelle Landesregierung weiter auf Straßenausbau, statt auf den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Auch hier ließ Hammann Zahlen sprechen: Hessen habe im Ländervergleich den stärksten Anstieg an verkehrsbedingten CO2-Emissionen. Kaum ein besseres Bild zeichnete die Grünen-Politikerin beim Thema Naturschutz. Auflösung von Naturbeiräten, Beschneidungen bei den Rechten der Naturschutzverbände und eine Änderung des Naturschutzgesetzes, die wirtschaftliche Interessen fördere, anstatt Natur zu schützen: Hammann präsentierte eine lange Liste an "Schandtaten". "Diese Regierung hat die Naturzerstörung vereinfacht", fasste sie zusammen. Dabei müssten sich Ökologie und Ökonomie nicht ausschließen. Würde in Hessen moderne Umweltpolitik nicht ignoriert, gebe es in diesem Bereich auch mehr Arbeitsplätze. Ziel der Grünen ist, in der Regierungsverantwortung dafür zu sorgen, dass Hessen einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz leistet. "Wir haben es längst fundiert dargestellt, dass eine Bedarfsdeckung mit erneuerbaren Energien, ohne Kernkraft, möglichst ist", betonte die Landtagsabgeordnete. Bis 2020, rechnete Hammann vor, könne Hessen 43 Prozent seiner CO2-Emission einsparen. Bedingung ist, neben Änderungen in der Verkehrspolitik, ein konsequentes Setzen auf die Energieträger Wind, Sonne, Wasser und Erdwärme. Selbst die CDU-eigene Zielsetzung, bis 2015 15 Prozent weniger Emission zu fabrizieren, sei nur mit Windenergie zu erreichen. "Das steht im Übrigen, für jeden im Internet nachlesbar, genau so in einem Papier des zuständigen Ministeriums." "Wenn wir in die Regierungsverantwortung kommen, dann ist der Umweltbereich unser Ressort", stellte Hammann klar. Bündnis90/Die Grünen hat eine klare Agenda, wobei es nicht darum gehe, so Hammann, Reservate zu schaffen. Natur soll erlebbar sein, schon Kinder müssten gezielt mit ihr in Kontakt gebracht werden. "Wer nichts über die Schönheiten der Natur weiß, der will sie auch nicht schützen", erklärte sie. Der Erhalt von Hessens Wäldern, verbunden mit einer naturverträglichen Forstwirtschaft, die Förderung einer gesunden und umweltschonenden Landwirtschaft, Wiederherstellung von Biotopvernetzungen, ein Tempolimit auf den Autobahnen: nur Beispiele aus der langen Liste umweltpolitischer Vorhaben der Grünen. Alles auch im Sinne wirtschaftlicher Interessen, wie Ursula Hammann betont: "Denn wer nur auf Ökonomie statt auf Ökologie setzt, den holt am Ende der Preishammer ein." arn

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