17.01.2008

Kandidaten auf dem Podium

Helmut Rinkel, Kandidat im Eahlkreis 54 auf dem Podium in Heppenheim. Fotos: Karl-Heinz Köppner
Berichterstattung des Starkenburger Echo

Es geht auch ohne Säbelrasseln

Jugendstrafrecht spielt bei ECHO-Podiumsdiskussion keine Rolle

MIT FUNDIERTEN FRAGEN meldeten sich die Zuhörer am Dienstagabend bei der ECHO-Podiumsdiskussion mit vier Landtagskandidaten im Wahlkreis Bergstraße West im Heppenheimer Vereinshaus zu Wort.

HEPPENHEIM. Mit ebenso engagierten wie sachorientierten Redebeiträgen haben am Dienstagabend im Vereinshaus „Kupferkessel“ die Landtagskandidaten des Wahlkreises Bergstraße West für ihre politischen Ziele geworben. In der gut besuchten Podiumsdiskussion des ECHO entwickelte sich unter der Moderation des Heppenheimer Redaktionsleiters Bernd Sterzelmaier trotz vieler gegensätzlicher Standpunkte ein von gegenseitigem Respekt gekennzeichneter Meinungsaustausch.

Säbelrasselnde Polemik, wie sie bei Parteiveranstaltungen üblich ist, blieb außen vor. Die 130 Zuhörer waren dankbar dafür und honorierten die Ausführungen, je nach politischer Präferenz, mehrfach mit lebhaftem Zwischenapplaus. Bemerkenswert: Die vom Boulevard hochgepeitschte Diskussion um eine Verschärfung des Jugendstrafrechts wurde mit keiner Silbe erwähnt und spielte auch später bei den Fragen des Publikums keine Rolle. Dem Gesprächsleiter war dies recht, weil er sich so landestypischen Themen zuwenden konnte, die bereits Auswirkungen auf das Leben im Kreis Bergstraße haben oder nach dem 27. Januar haben werden. Beispielhaft dafür ist die ICE-Schnellbahntrasse, die nach Planungen der Bahn AG mitten durchs Kerngebiet des Wahlkreises führen soll.

Vertreten waren die Kandidaten der vier im Landtag vertretenen Parteien: Alexander Bauer (CDU), Norbert Schmitt (SPD), Christopher Hörst (FDP) und Helmut Rinkel (Grüne). Das Quartett wurde von Bernd Sterzelmaier und ECHO-Redakteurin Brigitte Bärenz vorgestellt. In den auf fünf Minuten begrenzten Statements gingen die Kandidaten auf Motive ihrer Bewerbung und politische Schwerpunkte ein. Gemeinsam ist allen, dass sie in jungen Jahren zur Politik fanden und auf kommunaler Ebene früh Verantwortung übernommen haben.

Alexander Bauer ist Lehrer und will als solcher seine in der Praxis gesammelten Erfahrungen einbringen in die Bildungspolitik, die er als „Schlüsselthema der Zukunft“ bezeichnete. „Wir müssen in die Köpfe der Menschen investieren“, brachte er sein Anliegen auf den Punkt. Kommunalpolitik hat für den Bürstädter CDU-Fraktionschef auf vielen Feldern „landespolitische Relevanz“. Das fange an beim Zuschuss für den Kunstrasenplatz und setze sich fort bis zum Bau von Umgehungsstraßen. „Regenerative Energie ist mir ebenfalls ein Herzensanliegen“, betonte der 35 Jahre alte Pädagoge. Angesichts steigender Strom- und Heizölpreise müssten Alternativen gefördert werden. Gleichwohl sprach sich Bauer gegen Radikallösungen aus: „Wir werden auf absehbare Zeit noch Strom aus Biblis brauchen.“ Ganz anderer Meinung ist Norbert Schmitt (SPD). Er wolle raus aus der Kernenergie und erreichen, dass „Hessen zum Kalifornien in Deutschland“ werde. Ein vernichtendes Urteil fällte er über die von Kultusministerin Karin Wolff (CDU) betriebene Bildungspolitik: Zu volle Klassen, zu viele Schulabbrecher und Experimentierfreude, wo sie unangebracht sei. Wolffs „Unterrichtsgarantie plus“ hält der gebürtige Heppenheimer für gescheitert. „Ein Laienlehrer kann niemals einen Lehrer ersetzen“, lautete die Begründung. Schmitt zählt zu den Etablierten seiner Partei, in der er es bis zum hessischen Generalsekretär gebracht hat. Für die Sozialdemokratie habe er sich deshalb entschieden, weil er dort seine Vorstellungen von sozialer Gerechtigkeit am besten aufgehoben sehe: „Das ist es, was mich antreibt.“

Helmut Rinkel (Grüne) pflichtete den Ausführungen seines Vorredners in großen Teilen bei: „Erst kam der Pisa-Schock und dann Frau Karin Wolff“. Gemeinsamkeiten mit Schmitt fand der 52 Jahre alte Chemotechniker auch in der Energiepolitik. Das immer wieder gehörte Argument, in Biblis würden Arbeitsplätze verloren gehen, wollte Rinkel so nicht gelten lassen. „Wenn wir auf alternative Energien setzen“, rechnete er vor, „dann schaffen wir weitaus mehr Arbeitsplätze als in den Kernkraftwerken verloren gehen“. Schon der Preisdruck fordere ein entschiedenes Ja zu Windkraft, Biomasse und Erdwärme. „Und genauso wichtig ist es, Energie einzusparen.“ Für Wiesbaden empfahl sich Rinkel als „Mann der freien Wirtschaft“. Im Landtag sei „Leute des öffentlichen Dienstes“, beispielsweise Lehrer, überrepräsentiert.

Christopher Hörst (FDP) mahnte in der Energiepolitik eine „Entideologisierung“ an und sagte voraus, dass „wir ohne Atomkraft in den nächsten Jahren nicht auskommen werden“. Zu den Liberalen stieß er 1993 als Siebzehnjähriger. An seinem schon damals geäußerten Wunsch, „etwas zu verändern“, hält er noch heute fest. Sorgen macht sich der Projektmanager um die Sicherheitspolitik. Das Bedürfnis nach Sicherheit müsse immer abgewogen werden mit der Gefahr, persönliche Freiheit zu verlieren. In der Bildungspolitik sprach sich Hörst gegen eine „Einheitsschule“ aus. „Wir müssen mehr auf die individuellen Fähigkeiten des Einzelnen achten“, unterstrich er. Sein Wahlkampfslogan „Im Westen was Neues“ habe ihm viel Aufmerksamkeit eingebracht, sagte Hörst: „Es wäre doch wirklich mal was Neues, wenn ein direkt gewählter Abgeordneter nicht in einer großen Partei untergeht.“ fk 16.1.2008

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