21.01.2008

Über 100 Gäste beim Neujahrsempfang (Teil II)

Hans Josef Fell (MdB) von den bayerischen GRÜNEN bei seiner energiepolitischen Rede in Bensheim. Bild: ECHO
Berichterstattung Starkenburger Echo:

Grüne wollen ökologischen Wohlstand

Landtagswahl: Neujahrsempfang mit den Bundestagsabgeordneten Hans-Josef Fell und Omid Nouripour

BENSHEIM. „So viele Gäste waren noch nie bei einem Neujahrsempfang der Bergsträßer Grünen“, sagte die Landtagskandidatin Evelyn Berg, als sie am Samstag vom Rednerpult aus in die Runde blickte. 100 Mitglieder und Sympathisanten waren in das Hotel Felix nach Bensheim gekommen, sodass es eng wurde im Saal – und gemütlich.

Die beiden Bundestagsabgeordneten Hans-Josef Fell und Omid Nouripour, die Landtagsabgeordnete Ursula Hammann sowie außer Evelyn Berg der Kandidat im Wahlkreis West, Helmut Rinkel, standen im Mittelpunkt während des offiziellen Teils. Hille Krämer, seit mehr als 20 Jahren in der Bergsträßer Kommunalpolitik aktiv, erläuterte den Gästen die Bensheimer Besonderheit. Dort bildet eine Grüne Liste seit 2001 eine Koalition mit der CDU. Schwarz-grün auf Landesebene, das ist der wohl unwahrscheinlichste Fall, der nach dem 27. Januar eintreten wird.

„Koch ist am Ende“, sagte Rinkel. Ähnlich wie der Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer (SPD), der im Schattenkabinett von Andrea Ypsilanti für das Wirtschafts- und Umweltministerium vorgesehen ist, formulierte sein Bundestagskollege Fell die Vision eines Wirtschaftslandes, das seine Energie vollkommen aus erneuerbaren Quellen bezieht. Angesichts der Tatsache, dass der Anteil des Kohlenstoffs in der Erdatmosphäre dramatisch gestiegen sei, könne es nicht darum gehen, weitere Erdöl- oder Erdgasfelder zu erschließen.

„Wir brauchen Energie für unseren Wohlstand, aber nicht aus Stoffen, die uns schädigen“, sagte Fell. „Nur sparsame Energieen werden unseren Wohlstand sichern. Um Sonne und Wind müssen keine Kriege geführt werden“, so der Abgeordnete. Häuser ließen sich mit dem Äquivalent von 300 Litern Öl pro Jahr gemütlich warm halten, weniger als ein Zehntel dessen, was bisher Standard war. Fell erinnerte daran, dass er im Bundestag mit Scheer Vorreiter für das Energieeinspeisungsgesetz war.

Ziel sei gewesen, den Anteil der erneuerbaren Energie am bundesweiten Verbrauch bis 2010 von 6 auf 12,5 Prozent zu steigern. Tatsächlich sei dieser Anteil auf 14,3 Prozent gewachsen. Fell hält es für möglich, dass bis 2020 eine Million Elektroautos fahren, mit Strom, der hauptsächlich auf dem Garagendach erzeugt wird. Andererseits warnte er vor Rückschlägen: Der Beimischungszwang von Biokraftstoffen habe der einheimischen Landwirtschaft geschadet, weil sich die Mineralölkonzerne die Rohstoffe in riesigen Mengen auf dem Weltmarkt beschaffen und dabei neue ökologische Schäden anrichteten.

Die Landtagsabgeordnete Ursula Hammann erinnerte daran, dass die rot-grüne Landesregierung die Städte Viernheim, Lampertheim und Lorsch zur Klimaschutzregion erklärt hätten, ein Projekt, dass von der von Koch geführten Regierung gestoppt worden sei. Sie machte ihren Anhängern in Bensheim Hoffnung auf eine Renaissance von rot-grün, warnte allerdings davor, im Wahlkampf zwischen den großen Parteien zerrieben zu werden.

Der Abgeordnete Nouripour kritisiere, in Deutschland werde allgemein zu wenig für die Integration von Migranten getan. Bis 2005 habe der Bund dafür keinen einzigen Euro zur Verfügung gestellt, mittlerweile würden dafür 140 Millionen pro Jahr ausgegeben. Zum Vergleich: Spanien lasse sich seine Integrationsprojekte zwei Milliarden Euro pro Jahr kosten. „Wer über etwas spricht und nicht bereit ist, Geld dafür auszugeben, ist unglaubwürdig“, sagte Nouripour. Unabhängig von der finanziellen Seite hätten die Bürger in Deutschland ehrenamtlich – beispielsweise in Vereinen – „eine immense Integrationsleistung erbracht, die wir nicht zerreden sollten“.

Der Kreistagsabgeordnete Thilo Figaj rief zu einer Veranstaltung der Grünen auf, in der die Bundestagsabgeordnete Priska Hinz am Mittwoch (23.) in Lorsch über das Thema Atomkraft diskutieren wird. Dies sei eine Gegenveranstaltung zum „Bergsträßer Talk“, in dem am Mittwochabend der ehemalige Kraftwerksdirektor Klaus Distler als Gast der Kreisvolkshochschule sprechen wird. Kreisvolkshochschule, „Bergsträßer Talk“ mit dem ehemaligen Kraftwerksdirektor Klaus Distler, Mittwoch (23.), 19 bis 21 Uhr, Altes Rathaus. Grüne, „Neue Energieformen statt alte Kernkraft“, Bundestagsabgeordnete Priska Hinz, Mittwoch (23.), 20 Uhr, Nibelungenstube (Nibelungenhalle), Lorsch.ai



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