08.03.2008

Ruoff glaubt nicht an Jamaica

Bergstrasse. Das Wechselbad der Gefühle, durch das er seit dem Abend der Hessenwahl gegangen ist, hat Norbert Schmitt dünnhäutiger werden lassen. Die Fernsehbilder, die den Generalsekretär der Hessen-SPD hüpfend und jubelnd hinter der vermeintlichen Wahlsiegerin Andrea Ypsilanti zeigten, erscheinen im Nachhinein wie eine Karikatur.

Nur Verachtung für die Genossin

Der Griff zur Macht war trotzdem nahe. Bis die Darmstädter Landtagsabgeordnete Dagmar Metzger, Schwiegertochter des ehemaligen Oberbürgermeisters, mit ihrer Weigerung, die eigene Landeschefin mit Hilfe der Linken zur Ministerpräsidentin zu wählen, einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Der Parteisoldat Schmitt reagierte gestern mit blanker Verachtung für "so viel Egomanie".

Zusammen mit Ypsilanti hatte er vergeblich versucht, die eigenwillige Genossin auf Kurs zu bringen. Was blieb, war ohnmächtige Wut. "Es ist ein Skandal, das unsolidarische Verhalten zur Gewissensfrage hochzublasen", wetterte der Landtagsabgeordnete aus Heppenheim.

Ministeramt passé

Dass er selbst nun doch nicht als Minister in die Staatskanzlei einziehen wird, steckte er dagegen zumindest äußerlich besser weg: "Es gibt Schlimmeres. Jeder, der in der Politik ist, erlebt gute und weniger angenehme Tage." Sprach's und schlüpfte im gleichen Atemzug wieder in vertraute Rolle des Oppositionspolitikers. "Ich wollte Koch schlagen. Wir haben ihm eine empfindliche Niederlage beigebracht. Und ich sage Ihnen: Er wird das nicht überleben."

Und Ypsilanti? Schmitt zweifelt keinen Moment daran, dass sie weiter den Ton in der Hessen-SPD angibt. Für ihren "General" ist die Spitzenkandidatin nach wie vor eine "Hoffnungsträgerin der Sozialdemokratie in Deutschland". Dass sie von einer Abweichlerin aus den eigenen Reihen "gemeuchelt worden ist", ändere nichts an dieser Einschätzung.

Zu seiner eigenen Zukunft mochte Schmitt gestern nichts sagen. Als Generalsekretär der Landespartei ist er bis Herbst gewählt. Was danach kommt, ließ Ypsilantis Wahlkampfmanager offen.

Der Schatzmeister der Landes-Grünen, der Wahl-Heppenheimer, Jochen Ruoff, hielt mit seiner Enttäuschung über die unerwartete Entwicklung nicht hinterm Berg. Als Mitglied des Landesvorstandes seiner Partei hätte Ruoff der Verhandlungskommission angehört, die das inhaltliche und personelle Gerüst für eine rot-grüne Minderheitsregierung zimmern sollte. Dass daraus nun nichts wird, lastet Ruoff allein der SPD an, der es nicht gelungen sei, die eigenen Reihen zu schließen. Dass alle 42 SPD-Abgeordneten hinter Ypsilantis Plan stehen, war für die Grünen von Anfang an eine Bedingung, ohne die nichts geht.

"Inhalte passen nicht zusammen"

Eine Jamaika-Koalition mit der CDU und der FDP kann sich Ruoff nicht vorstellen: "Die Inhalte passen einfach nicht zusammen." Für den Vorsitzenden der Grünen-Kreistagsfraktion gilt dies auch für den Fall, dass Roland Koch für einen anderen Ministerpräsidenten Platz macht: "Schließlich agiert er nicht im luftleeren Raum. Die hessische CDU bleibt, wie sie ist" - und ist für die Grünen deshalb derzeit kein Partner. Das politische Klima sei in Hessen frostiger als in Hamburg, wo ein linker Landesverband der Grünen auf dem Weg in ein Bündnis mit der CDU ist. "Bei uns wird das nicht gehen. Das hängt nicht nur mit Personen zusammen", glaubt Ruoff, der die gänzlich andere Stimmung am Wahlabend in der Hansestadt live miterlebt hat.

Ruoff glaubt nicht an Stilwechsel

Dass der Bergsträßer CDU-Kreisvorsitzende Dr. Michael Meister die Hessen-Union zu einem Wechsel ihres Politikstils aufgefordert hat, hat Ruoff mit Genugtuung registriert. Allein, ihm fehlt der Glaube. Im Land wie im Kreis will Ruoff sehr genau beobachten, ob Meisters Aufforderung praktische Konsequenzen hat. Im Augenblick jedenfalls lägen die Vorstellungen von CDU und Grünen "nicht nur meilenweit, sondern Galaxien auseinander".

Bergsträßer Anzeiger

8. März 2008



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