25.07.2008

Regionalplan: Streit um Vorrangflächen im Geopark Bergstraße-Odenwald

Aus dem Starkenburger Echo

Die lebhafte Diskussion nach dem Vortrag von Windkraft-Pionier Franz Mitsch drehte sich vor allem um die politischen Hindernisse für die Verwirklichung derartiger Vorhaben im Kreis. „Die Zeit für Windkraft ist reif“, sagten mehrere Zuhörer, darunter viele, die sich beruflich mit regenerativen Energiequellen beschäftigen.

Als „großes Bollwerk gegen Windkraft“bezeichnete eine Frau aus dem Neckar-Odenwald-Kreis den Bergsträßer Landrat Matthias Wilkes (CDU). Im Neckar-Odenwald-Kreis gebe es 15 Windräder, im Nachbarkreis Bergstraße kein einziges. Wilkes versucht über die Regionalversammlung Südhessen das Gebiet des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald, dessen Vorsitzender er ist, weiter völlig frei von Windrädern zu halten. Davon wäre der gesamte Kreis Bergstraße betroffen.

Im Entwurf für den neuen Regionalplan, der 2010 in Kraft treten und bis 2020 gelten soll, waren ursprünglich vier Vorranggebiete für Windenergie im Kreis Bergstraße vorgesehen: Eine 213 Hektar große Fläche zwischen den Wald-Michelbacher Ortsteilen Siedelsbrunn und Ober-Schönmattenwag, weitere 51 Hektar beim Wald-Michelbacher Ortsteil Affolterbach. Dazu kämen zwei Flächen im Ried, 38 Hektar östlich von Biblis sowie 238 Hektar beim Bürstädter Stadtteil Bobstadt. Dagegen fehlen Gebiete, die im bisherigen Regionalplan enthalten waren mit Windkraft-Vorrangflächen bei Abtsteinach, in Lindenfels-Winterkasten und auf dem Katzenstein beim Lautertaler Ortsteil Raidelbach.

Eine CDU-FDP-Koalition in der Regionalversammlung hat zudem durchgesetzt, dass die nun vorgesehenen Flächen erheblich abgespeckt werden sollen: 42 Hektar bei Biblis, 30 bei Bürstadt, 106 bei Wald-Michelbach und 47 bei Affolterbach lauten die letzten Zahlen vom Mai, die wahrscheinlich weiter schrumpfen werden.

Nur noch 0,31 Prozent des Kreisgebiets sollen für Windenergie ausgewiesen werden, kritisierte der Bergsträßer Grünen-Fraktionschef Jochen Ruoff. Da sei es besser, gar keine Vorranggebiete auszuweisen, damit Betreiber sich die besten Flächen aussuchen könnten.

Dies unterstützten Mitsch und der Windpark-Planer Rainer Reschke. Die Flächen im Ried seien nur für große Anlagen wirtschaftlich sinnvoll, sagte Reschke. Dagegen würden viele gute Gebiete gar nicht ausgewiesen und Gemeinden, die sich für Windkraft ausgesprochen hätten, gingen leer aus. Die Zeit drängt. Ist der Regionalplan erst einmal in Kraft, ist es schwer, Ausnahmen durchzusetzen. Die zweite Offenlage des Planentwurfs steht bevor.

Oft entscheide Magistrat oder Gemeindevorstand über Vorrangflächen, ohne das Parlament einzubeziehen, sagte Ruoff.

mam 25.7.2008

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