04.02.2009

Gegen Konkurrenzkampf der Kommunen

Von 2003-2005 stieg der Flächenverbrauch in Deutschland wieder auf das Niveau von 1993. Wer bremst endlich diese Entwicklung? Grafik: GRUENE Bergstrasse. Daten BMU.

Vertreter aus Städten und Gemeinden wollen weiteren Flächenverbrauch verhindern

Berichterstattung Starkenburger Echo. -- Auf Einladung der Grünen Liste Bensheim (GLB) trafen sich Vertreter der Grünen Listen und Ortsverbände aus den Städten und Gemeinden Lorsch, Einhausen, Heppenheim, Bensheim, Zwingenberg und Seeheim-Jugenheim zur Abstimmung von Positionen zur Raumordnungsplanung. In einer Presseerklärung wird über den Diskussionsverlauf berichtet.

Hans Henrich Spieß (GUD Zwingenberg) stellte fest: „Immer wieder werden verstaubte Rezepte aus den Schubladen geholt, deren verhängnisvolle Auswirkungen in der jeweiligen Nachbargemeinde besichtigt werden können. Hier die Verbrauchermärkte auf der grünen Wiese, dort die Gewerbebrachen, nebenan die flurbereinigten gesichtslosen Weinberge. Wir Grüne setzen nicht auf die Wachstums-Chimäre, sondern auf Erhaltung und Verbesserung unserer Lebensumwelt.“

Thilo Figaj (Lorsch), Kreistagsabgeordneter und Vertreter der Grünen in der regionalen Planungsversammlung zitierte aus einer Stellungnahme des hessischen Wirtschaftsministeriums zum Entwurf des Regionalplans, wonach von einem wesentlich geringeren Erwerbstätigen-Zuwachs als noch vor ein paar Jahren ausgegangen werde und „unter diesen Gegebenheiten die vorgesehenen Flächenausweisungen überdimensioniert wären.“

Die Stadtverordnete Doris Sterzelmaier (Bensheim) berichtete, dass die im Gewerbegebiet West brachliegenden Gewerbeflächen nach Ansicht von Bürgermeister Thorsten Herrmann (CDU) unverkäuflich seien. „Dabei haben wir durch einen Kompromiss im Koalitionsvertrag mit der CDU dem Bau der Westtangente zugestimmt, was die Attraktivität dieser Flächen verbessert.“

Der Stadtverordnete Dieter Angermann (Lorsch) wies auf das Problem des fehlenden Flächenrecyclings hin: „Im Lorscher Süden entwickelt sich eine Industriebrache, während wir im Norden das 25 Hektar große, noch weitgehend unbebaute Gewerbegebiet Daubhart haben“.

Reimund Bommes (Heppenheim) sagte: „Obwohl es vor Jahren im Bebauungsplan verboten war, Einzelhandel westlich der Tiergartenstraße anzusiedeln, wurde für die Firma Aldi eine Ausnahme gemacht. Als vor zwei Jahren Aldi auf die östliche Seite zog, wurde das begrüßt. Es gab dann die Übereinkunft, westlich der Tiergartenstraße in keinem Fall erneut Verbrauchermärkte zuzulassen, um diese Flächen für anderes Gewerbe zu reservieren; jetzt aber wollen Bürgermeister Gerhard Herbert (SPD) und die großen Parteien dort einen Kaufland-Markt ansiedeln. Wir lehnen das ab, weil es die Innenstadt schwächen wird. Und wie sollen wir später mit dem Rollator statt des Autos bis dorthin kommen?“

Bommes berichtete auch darüber, dass im Norden und im Süden von Heppenheim Neubaugebiete ausgewiesen seien. „Nur mangels Interessenten und weil potenzielle Investoren wieder abgesprungen sind, ist dort bis heute nichts geschehen“.

Christian Gerber (Einhausen) berichtete von vielen Freiflächen und der Ausweisung neuer Bauflächen im Norden der Gemeinde. „Wir brauchen keine neuen Baugebiete, keine zusätzlichen Gewerbegebiete und keine weiteren Einkaufsmärkte auf der grünen Wiese, weder kommunal, noch interkommunal“ fasste Wolfram Fendler (Bensheim) diese Diskussion zusammen.

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URL:http://www.gruene-bergstrasse.de/archiv/pressearchiv/presse-2009/expand/116126/nc/1/dn/1/