01.04.2009

GRÜNE nominieren Jochen Ruoff

Bericht des Starkenburger Echo

Landratswahl: Im zweiten Anlauf klappt es auch mit den Formalitäten – Alle 32 Stimmzettel mit Ja gekennzeichnet

HEPPENHEIM. Am Montagabend nahmen es die Grünen mit den Formalitäten ganz genau. Nicht per Handzeichen, sondern in einer geheimen Abstimmung nominierten sie Jochen Ruoff, den Vorsitzenden der Bergsträßer Kreistagsfraktion, zum Kandidaten für die Landratswahl am 7. Juni. Alle 32 Stimmzettel waren mit Ja gekennzeichnet. Damit konnten die Vertrauenspersonen kurz vor Toresschluss dem Wahlleiter die Unterlagen vorlegen. Die Bewerbungsfrist für die Landratswahl endet morgen, Donnerstag (2.), um 18 Uhr.
Die Grünen mussten zu einer außerordentlichen Kreismitgliederversammlung nach Heppenheim einladen, weil Ruoffs Nominierung am 18. März wegen eines Formfehlers ungültig war. Damals hatte sich die Partei nicht an das Wahlgesetz gehalten und auf geheime Abstimmung verzichtet.
Thilo Figaj (Lorsch) wies als Versammlungsleiter auf die Panne hin. „Vor zwei Wochen waren wir wesentlich schlafmütziger“, sagte er. Kritik daran, dass beim ersten Nominierungsversuch nur 14 Mitglieder in das Heppenheimer Lokal „s’Pfännsche“ gekommen waren, wies er zurück. Er lobte ausdrücklich, dass der Einladung zur Sondersitzung 32 Stimmberechtigte gefolgt waren. Das seien fast 30 Prozent aller Mitglieder des Kreisverbands. Wenn die großen Parteien ihre Kandidaten nominieren, geschehe das mit wesentlich niedrigerem prozentualen Anteil. Bei den Grünen gibt es kein Delegiertenprinzip. Stimmberechtigt ist jedes Mitglied.
Dass die Partei Bündnis 90/Die Grünen im Kreis Bergstraße kaum mehr als hundert Mitglieder zählt, hat einen mittlerweile fast folkloristischen Hintergrund: In Heppenheim, Bensheim und Zwingenberg bilden Grüne Listen die Basis, die offiziell als Wählergemeinschaften auftreten und deshalb nicht Teil der Partei sind.
Figaj wiederholte die Argumente, warum die Bergsträßer Grünen mit einem eigenen Kandidaten in den Landratswahlkampf ziehen, obwohl die Siegeschancen minimal sind. Favorit ist Amtsinhaber Matthias Wilkes (CDU). Selbst die SPD-Bewerberin Katrin Hechler gilt als Außenseiterin. Figaj sagte, es sei wichtig, Flagge zu zeigen. „Unser Kandidat hat die Chance auf einen Erfolg, auch wenn er nicht ins Amt gewählt wird. Ruoff werde die Themen im Wahlkampf ansprechen, die Amtsinhaber Wilkes meide: Abfallwirtschaft, das Kreiskrankenhaus, die Verschuldung. „Jede einzelne Stimme, die wir ihm abringen können, ist uns wichtig“, betonte Figaj.
Ruoff verzichtete darauf, seine Vorstellungsrede vom 18. März zu wiederholen. Er sprach über seine Motive, warum er wie vor sechs Jahren die Bürde eines Wahlkampfs auf sich nimmt. Mit großer Aufmerksamkeit hörten die Parteifreunde zu, als er seine politischen Wurzeln beschrieb: Die evangelische Jugend, der Kampf gegen die Startbahn West am Frankfurter Flughafen, die Friedensbewegung Anfang der achtziger Jahre. Viel später, erst vor 15 Jahren, ist der heute 50 Jahre alte Sozialpädagoge den Grünen beigetreten. „Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung – es gibt keine Partei, in der diese Dinge zusammen gedacht werden“, so lautet sein Bekenntnis. In der Arbeit mit Jugendlichen, mit Hartz-IV-Empfängern und als Mediator habe er die Erfahrung gewonnen, die ihm als Politiker wichtig sind.
Alfred Riedmayer (Lorsch), Wolfram Fendler (Bensheim), Ralf Löffler (Lindenfels) und Werner Bomrich (Rimbach) sagten in der Diskussion über Ruoffs Rede ihre Unterstützung für den Landratskandidaten zu. Daniel Gerber erinnerte als Wahlleiter an die Vorschriften, bevor die Stimmzettel ausgeteilt wurden.
Für Ruoff beginnt ein zweimonatiger Wahlkampf, in dem er auch die europapolitischen Themen unters Volk bringen kann. Mitte Mai kann er sich eine kurze Pause gönnen, während der er eine andere Aufgabe wahrnehmen wird: Er reist mit zur Bundesversammlung nach Berlin, die am 23. Mai den Bundespräsidenten wählt. Sollte einer der sechs hessischen Abgeordneten der Grünen ausfallen, wäre Ruoff der Nachrücker.
ai
1.4.2009

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