20.05.2009

Kommentar

Blickrichtungen

Zum Artikel "Ein Gesicht, ein Slogan: Wie überzeugend ist das Wahlplakat?", Bergsträßer Anzeiger, 20.05.2009, Seite 11

Tatsache ist, der Kandidat der Grünen schaut nach oben. Ein Mensch der seine Ziele anvisiert, schaut gewöhnlich nach oben. Ich weiß nicht, welche "Sehgewohnheiten" Steffen Herbold aus Viernheim hat, mein Gefühl sagt mir, der Kandidat zeigt die herzliche Seite seines Profils und wendet sich in die richtige Richtung. Hin zum Kreis Bergstrasse.

Dass Herbold durch einen Werbe-Medienpreis des Mantelblattes Mannheimer Morgen qualifiziert ist, Plakate zur Landratswahl zu analysieren, macht sicherlich Eindruck. Wer den täglichen Umgang mit Kreativdesignern gewohnt ist, kennt allerdings auch ihre persönlichen Unfehlbarkeitsansprüche. In der Branche der Eitelkeiten gilt die feste Regel: über Geschmack wird gerne gestritten, über Gestaltung und Wirkung sowieso. Und über Rechtschreibung!

Substantivierte Verben, also groß geschriebene Tätigkeitswörter, sind als programmatisch verkürzte Zwei-Wort-Aussagen, wie Frau Hechler sie plakatiert, für mich akzeptabel und noch lange kein Grund, der Kandidatin Schreibfehler zu unterstellen. Vorwärts (gerichtetes) Denken (erleichtert den Zugang zur Materie)!

Über die bloße Feststellung des jedermann offenkundigen freundlich-sonnigen Klischees hinaus, dessen sich der Amtsinhaber bedient, hätte man vom Insider noch den einen oder anderen Aspekt zu subtilen Botschaften erwartet. Warum erfahren wir nichts über die Farbe Gelb aus Sicht des Werbestrategen? Gelbes Schild, gelber Hintergrund, gelbgrundige Parteienlogos, gelbe Krawatte. Mitten in dieser gelben Welt macht sich der kleine rote Schriftzug der CDU ja schon fast konterrevolutionär. Und was, bitteschön, sagt uns Wählern eigentlich die kleine Blume unten rechts, die der flüchtige Betrachter bis heute nicht entdeckt hat? Ist es eine Primel? Ein Buschwindröschen? Oder gar ein Fleißiges Lieschen? Letzteres wäre, weiß Gott, wirklich kraftvolle Symbolik. Hier schweigt leider der Experte.

Thilo Figaj

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