28.05.2009

Landratskandidaten in der Diskussion

Landratskandidat Ruoff. Bild: Lampertheimer Zeitung

Ruoff: "Arbeitslose in Eigenbetrieben qualifizieren"

Von Oliver Lohmann, Lampertheimer Zeitung. LAMPERTHEIM/BÜRSTADT, 27.05.09. Bedroht die Wirtschaftskrise auch den Kreis Bergstraße? Muss sich die Politik und der künftige Landrat/Landrätin verstärkt mit dem Thema Arbeitslosigkeit und Armut auseinandersetzen? Über diese Themen diskutierten wir mit den Kandidaten - Amtsinhaber Matthias Wilkes (CDU), Katrin Hechler (SPD) und Jochen Ruoff (Grüne) - in einem Redaktionsgespräch.

"Wir machen einen politischen Fehler, denn wir bieten im Kreis Bergstraße keine echte Beschäftigungsförderung an", urteilt der Grüne Ruoff. Er wünscht sich, dass Arbeitslose bei Eigenbetrieben des Kreises arbeiten und sich dadurch weiterqualifizieren. Es bleibe abzuwarten, ob der Eigenbetrieb Neue Wege, der Langzeitarbeitslose vermittelt, so aufgestellt ist, dass er auf eine steigende Zahl Erwerbsloser reagieren kann.

Sozialdemokratin Hechler ist auch für eine verstärkte Qualifizierung Langzeitarbeitsloser - zum Beispiel in den Bereichen Handwerk, Gesundheit und Energie. Vier Jahre habe es gedauert, bis beim Eigenbetrieb Neue Wege eine Beschäftigungsförderung institutionalisiert werden konnte. Doch ein Mitarbeiter in diesem Bereich reiche nicht aus. Neue Wege rufe auch nicht alle Gelder des Bundes ab, das für Qualifizierungsmaßnahmen verwendet werden können. "Wir müssen früh genug die Weichen stellen, damit es trotz Krise weitergeht. Dazu gehört für mich auch, dass wir Bürgschaften vermitteln, um kleinen Betrieben zu helfen", so Hechler.

Amtsinhaber Wilkes stellt das Erreichte in den Vordergrund: Die Jugendarbeitslosigkeit im Kreis Bergstraße sei um 78 Prozent gesenkt worden, in Hessen dagegen nur um 28 Prozent. Und im Baugewerbe habe es im Kreis im Februar die niedrigste Arbeitslosenzahl seit 16 Jahren gegeben. Mit dem vor fünf Jahren aufgelegten Schulbauprojekt und der Auftragsvergabe an einheimische Handwerksunternehmen ("Bergsträßer Modell") sei man hier gut aufgestellt. Weiterhin gebe es die Wirtschaftsförderung Kreis Bergstraße, mit der alle zufrieden seien - diese greife den kleinen Gemeinden unter die Arme. Maßnahmen zur Beschäftigungsförderung seien nur dann sinnvoll, wenn die entsprechenden Bereiche auf dem Arbeitsmarkt nachgefragt sind. Die Darstellung, dass Neue Wege nicht alle möglichen Gelder abrufe, sei nicht korrekt.

Hechler widersprach Wilkes: Der Kreis stehe nicht so glänzend da, die Zahl der Hartz-IV-Betroffenen sei nicht gesunken. Man dürfe sich nun nicht zurücklehnen, sondern müsse den Problemen ins Auge sehen. Es seien Folgeprojekte für die Zeit nach den Schulsanierungen nötig. Auch Ruoff erwiderte Wilkes, die Wirtschaftskrise habe sich noch nicht auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt, man solle sich aber auf diese Situation einrichten.

Der Armutsbericht für Deutschland bedrückt alle drei Kandidaten. Wilkes wünscht sich andere Steuergesetze, die Familien mit Kindern entlasten. Mit dem Konzept "Familienfreundlicher Kreis Bergstraße" würden die Öffnungszeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen verbessert - dadurch könnten die Eltern berufstätig sein und Geld verdienen.

Ruoff wünscht sich auch für den Kreis Bergstraße einen Armutsbericht. Dadurch erfahre der Eigenbetrieb Neue Wege, wo Bedarf ist und könne Maßnahmen für bestimmte Zielgruppen entwickeln. "Wir haben das schon mehrmals im Kreistag beantragt, aber keine Mehrheit gefunden." Für Katrin Hechler ist ein Armutsbericht nur ein erster Schritt, danach sei eine "solide Sozialplanung" gefragt. Die Kandidatin weist auch auf die existierende Altersarmut hin - ein gutes Netzwerk für Hilfen sei notwendig, dazu gehörten beispielsweise Tafel-Läden.

zurück

URL:http://www.gruene-bergstrasse.de/archiv/pressearchiv/presse-2009/expand/199696/nc/1/dn/1/