24.09.2009

Heppenheimer Firma will das Projekt am Kesselberg verwirklichen

Drei Windräder für Ober-Hambach?

Bericht STARKENBURGER ECHO / von Marion Menrath - Heppenheim/Ober-Hambach. -  Heppenheim soll Vorreiter beim Thema Windkraft im Kreis Bergstraße werden und drei Räder am 531 Meter hohen Kesselberg auf Ober-Hambacher Gemarkung zulassen. Das wünschen sich die Heppenheimer Firma 3P Windenergie GmbH sowie die Grüne Liste Heppenheim (GLH). Auch Bürgermeister Gerhard Herbert (SPD) hat bereits öffentlich Sympathie für das Projekt geäußert. Es wären die ersten Windräder im gesamten Kreis Bergstraße.

Weiteren Standort vorgeschlagen

Ergänzend schlägt die Firma einen weiteren Standort am 380 Meter hohen Salzkopf zwischen Sonderbach, Wald-Erlenbach und Kreiswald (Gemeinde Rimbach) vor, der Platz für drei weitere Anlagen böte.

Am Montagabend hat Geschäftsführer Jürgen Simon von der Firma 3P Windenergie das Projekt auf Einladung der GLH in der Gaststätte "s'Pfännsche" erstmals öffentlich vorgestellt. 30 Zuhörer drängten sich in dem vollen Nebenraum. Antriebskraft für das Engagement für die regenerative Energieform sind für den Ingenieur die schwindenden fossilen Ressourcen, die starke Abhängigkeit von Öl- und Gas-Förderländern sowie die Herausforderungen des Klimawandels durch Kohlendioxid-Emissionen und andere Klimagase, wie er unterstrich.

Simon machte schnell deutlich, dass aus seiner Sicht beide Standorte gut geeignet für einen wirtschaftlichen und umweltschonenden Betrieb von Windrädern sind. Sie lieferten jeweils 80 bis 85 Prozent des Referenzertrags eines guten windhöfigen Standort. "Es gibt auch im Binnenland viele gute Standorte, nicht nur an der Küste", sagte Simon.

Absolut schadstofffrei

"Wind ist die effizienteste Form, regenerative Energie zu gewinnen", betonte der Ingenieur. Schon nach einem Jahr habe die Anlage die energetischen Kosten ihrer Herstellung wieder hereingeholt. Ein 100 Meter hohes Windrad mit 80 Meter Rotordurchmesser und zwei Megawatt Nennleistung liefert 5000 Megawattstunden Strom im Jahr - und das absolut schadstofffrei, wie Simon betonte. Es versorge 1250 Haushalte mit Strom und spare 2800 Tonnen Kohlendioxid-Emission pro Jahr. In 20 Jahren Laufzeit summiert sich dies auf 56 000 Tonnen weniger Kohlendioxid-Emissionen.
Auch wirtschaftlich interessant

Auch wirtschaftlich ist die Investition interessant: Bei einer Vergütung von 9,2 Cent pro Kilowattstunde haben sich die finanziellen Investitionen von 3,5 Millionen Euro pro Anlage nach wenigen Jahren amortisiert. Von der lokalen Wertschöpfung könnten Heppenheimer mit Beteiligungen an den als "Bürger-Windrädern" konzipierten Anlagen profitieren. Der Stadt Heppenheim als Grundeigentümer winken in 20 Jahren Laufzeit 200 000 Euro an Gewerbesteuer pro Windrad.
Besser als auf Neutscher Höhe

Nach Simons Einschätzung ist der Standort am Kesselberg sogar besser als der auf der Neutscher Höhe (Kreis Darmstadt-Dieburg). Bei Neutsch plant 3P Windenergie in der Nähe der drei alten Rotoren zwei neue moderne Anlagen. Das Verfahren sei dort weit fortgeschritten: Seeheim-Jugenheims Gemeindevertretung stimmte im Juli einstimmig für das Projekt.

Über die Genehmigung entscheidet das Regierungspräsidium Darmstadt. Zuvor müssen umfangreiche Gutachten beigebracht werden: Der Abstand der Räder zu Wohngebieten muss mindestens 1100 Meter betragen; bis 500 Meter dürften sie heranrücken, wenn bestimmte Grenzwerte für Schall und Schattenwurf eingehalten werden.

Dies betreffe aber nur ein einzelnes Gehöft bei Schannenbach, die Wohngebiete seien weiter entfernt, versichert Simon.

Veränderung der Landschaft

Fledermaus- und Vogelgutachten betrachten den Einfluss auf die Tierwelt. Weil der Kesselberg im FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) "Buchenwälder des Vorderen Odenwalds" liegt, ist zudem eine FFH-Verträglichkeitsprüfung nötig. Doch weder Gelbbauchunken noch Kammmolche dürften durch die Anlagen gestört werden, so Simon.

Bleibt als Hauptkritikpunkt die Veränderung des Landschaftsbildes, über die auch am Montag intensiv diskutiert wurde: "Möglichst viele Menschen mitnehmen und kritische Punkte offen ansprechen" sei seine Strategie, betonte Simon. Dazu gehöre die frühzeitige Beteiligung der Kommune.

Einige Stadtverordnete haben sich bereits eine Meinung gebildet: "Windräder verändern sicher die Landschaft", konstatierte der GLH-Stadtverordnete Franz Beiwinkel. Im Vergleich zu den Veränderungen, die der Landschaft durch das vom Klimawandel verstärkte Arten- und Baumsterben zugemutet würden, handle es sich jedoch um einen kleinen Eingriff.

"Das Rad von meinem Schlafzimmer aus zu sehen ist mir lieber als im Westen die Kühltürme von Biblis", unterstrich die Ober-Hambacher Ortsvorsteherin Renate Netzer (SPD). Es sei aber gut, behutsam vorzugehen und "uns alle" mitzunehmen.

Auch der CDU-Stadtverordnete Klaus Bitsch unterstrich, dass nicht alle CDU-Mitglieder dem Bergsträßer Landrat Matthias Wilkes (CDU) bei dessen kategorischen Nein zur Windkraft-Nutzung im Kreis folgen mögen.

Einige Zuhörer wollten bereits wissen, wie groß die Anteile sein werden, die die Bürger an den Windrädern erwerben können. Doch soweit ist es noch lange nicht: Gestern wurde das Projekt zunächst im Magistrat vorgestellt; danach sollen sich Ausschüsse, Ortsbeiräte und die Stadtverordnetenversammlung damit beschäftigen. mam

Bergsträßer Anzeiger
24. September 2009

Hintergrund

Windkraft-Anlagen im Baugesetz

Heppenheim. Windräder gelten laut Baugesetz als privilegierte Vorhaben im Außenbereich. Im derzeit gültigen Regionalplan Südhessen 2000 sind weder Kesselberg noch Salzkopf als Vorrangfläche für Windenergienutzung vorgesehen. Allerdings sei mit der Ausweisung von Vorrangflächen der Rest des Gebiets nicht automatisch tabu, erläuterte Jürgen Simon von der Firma 3P Windenergie GmbH.

Einen Ausschluss der Flächen, die nicht als Windenergie-Vorrangflächen ausgewiesen sind, beabsichtigt dagegen der neue Regionalplan-Entwurf, der derzeit zum zweiten Mal öffentlich ausgelegt wird.
Nur noch vier Vorrangflächen

Von ursprünglich 53 Vorrangflächen, die das RP Darmstadt vorgeschlagen hat, sind in der Regionalversammlung Südhessen, dem zuständigen Gremium, in dem CDU und FDP eine Mehrheit haben, nur noch vier Flächen für Windparks übrig geblieben - alle nördlich des Mains.

Von den einst neu vorgesehenen vier Flächen für den Kreis Bergstraße bei Wald-Michelbach, Biblis und Bobstadt ist dagegen kein einziger Hektar geblieben.

"Juristisch nicht haltbar"

Auf Betreiben von Landrat Matthias Wilkes (CDU) ist der gesamte Geopark und damit der Kreis Bergstraße von der Windkraftnutzung ausgenommen worden. Simon hält das für juristisch nicht haltbar. Der Geopark sei kein Ausschlusskriterium. Vor Gericht hätten solche Pläne nur Bestand, wenn ein Prozent Südhessens als Vorrangfläche für Windenergie ausgewiesen werde. Davon ist die aktuelle Fassung mit 0,04 Prozent weit entfernt.

Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP), so Simon, werde dem Plan so nicht zustimmen. mam

Bergsträßer Anzeiger
24. September 2009

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