November: Kernkraftwerk Biblis ist immer noch ein Reizthema

Am 04.11.2006 haben mehr als 500 Menschen auf dem Platz vor der katholischen Kirche Sankt Bartholomäus in Biblis und vor dem Tor des Kernkraftwerk gegen die vom Energiekonzern RWE beantragte Laufzeitverlängerung des Reaktors Biblis A und für die Nutzung regenerativer Energien demonstriert. Selbst Bibliser Bürger haben , im Gegensatz zu früheren Kundgebungen, mit ihrer Anwesenheit ihre Meinung gezeigt.

Es war eine Demonstration an den viele Gruppen, wie BUND, Bündnis 90 / Die Grünen, attac, DGB, Arbeitskreis Umwelt, BBU und IPPNW beteiligt waren. Die Grünen waren durch die umweltpolitische Sprecherin der Fraktion im hessischen Landtag Ursula Hammann und Manfred Schäffer aus dem Kreisvorstand vertreten.

In verschiedenen Redebeiträgen am Kernkraftwerk wurden die immer wieder auftretenden Mängel der beiden Reaktorblöcke und deren Alter gerügt. Nicht nur das jetzige Problem mit den falsch montierten Dübeln in beiden Reaktoren wurde angesprochen. Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) unterstrich: „Wir fordern in einem offenen Brief an Umweltminister Gabriel, dass auch alle anderen deutschen AKW auf falsch montierte Komponenten geprüft werden.“

Erhard Renz vom „Sonnenfleck“ aus Bürstadt veranschaulichte mit dem mitgebrachten Amiga-Computer plastisch den Stand der Steuerungstechnik im Kernkraftwerk Biblis.

Es wurde auch aufmerksam gemacht, dass die entstandene Radioaktivität, die durch Reaktorunfall in Tschernobyl aus dem Jahre 1986 herrührt, heute noch nachweisbar ist und „Pilze haben ein längeres Gedächtnis als Politiker“, so der BUND.

Der Fachreferent für Energie der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) Henrik Paulitz machte deutlich, dass die Zukunft der Energieversorgung dezentral sei. „Mit jedem Windpark und mit jeder Solaranlage sinkt die Abhängigkeit von Erdöl-, Erdgas- und auch von Uran-Importen. Die dezentrale Energieversorgung ist der Kern einer Wirtschaftspolitik, die zu einem breit verteilten Wohlstand für alle führen wird.“

Nach dem friedlichen Zug zum Kraftwerk versammelten sich die Demonstranten auf dem Parkplatz vor dem Kernkraftwerk. Am geöffneten Tor des Kraftwerksgeländes wurde ein Transparent befestigt, die Polizei verzichtete auf ein Einschreiten, obwohl dies nicht vom Ordnungsamt Biblis genehmigt war. Die Polizei äußerte sich wohlwollend über die friedliche Demonstration.

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