16.03.2011

Evelyn Berg über Koalitionen und Energien

Foto: AfP Asel

"Frauen sind sparsamer"

Mit der Spitzenkandidatin für die Kreistagsliste sprach Oliver Lohmann von der Lampertheimer Zeitung über die Koalitionsfrage, das Thema Energien und ihre Parteifreunde im Ried.
Frau Berg, sind Sie zum ersten Mal Spitzenkandidatin der Grünen im Kreis Bergstraße?
Eigentlich sind wir eine Doppelspitze, auch wenn ich auf Platz eins der Liste stehe. Jochen Ruoff ist die zweite Spitze. Ich kandidiere zum dritten Mal für den Kreistag. Es ist wichtig, dass jetzt Frauen politisch aktiv sind, denn Frauen sind sparsamer und nachhaltiger.
Sind Sie deswegen politisch aktiv geworden?
Nein, ich bin politisch aktiv seit 1997, weil ich für eine Betreuung für Kinder unter drei Jahren in Zwingenberg war. Das gibt es inzwischen dort. Sympathie für die Grünen hatte ich schon früher, seit den 1980er Jahren, als es um die Startbahn West ging.
Wie werden die Grünen im Kreis Bergstraße abschneiden?
Ich bin froh, wenn wir die Zahl unserer Sitze im Kreistag behalten. Die derzeit schwierigen politischen Themen wie Finanzen sind dem Wähler kaum zu vermitteln, viele gehen leider nicht zur Wahl. Positiv ist, dass es neue Grünen-Verbände in Bürstadt und Birkenau gibt. Ich hoffe, dass Erhard Renz in Bürstadt wieder wie in alten Zeiten (Bürger für Bürstadt) erfolgreich ist.
Mit welchen Parteien könnten Sie sich eine Koalition im Kreistag vorstellen?
Wir verstehen uns nicht nur mit der SPD, sondern auch rein menschlich mit CDU, FDP und Freien Wählern. Aber man muss im Kreistag und kommunalen Parlamenten keine Koalitionen eingehen. Koalitionen in Heppenheim und Zwingenberg in der Vergangenheit haben uns Grünen nicht gut getan. In Lampertheim konnten die Grünen sich in der Koalition mit der SPD auch nicht gut durchsetzen, siehe nicht gebaute Erdgastankstelle. Meine Empfehlung auch für Lampertheimer und Bürstädter ist, keine Koalition einzugehen, sondern mit wechselnden Mehrheiten abzustimmen. Dass das geht, sieht man in Nordrhein-Westfalen. In Hessen wäre das auch gegangen, wenn die SPD-Spitzenkandidatin nicht so polarisiert hätte.
Was halten Sie von der Linkspartei? Die äußern sich im Kreistag fast nie.
Die werden mit Mühe ihre beiden Sitze halten können. Ich finde die Linken im Kreis Bergstraße zu dogmatisch. Aber Konkurrenz belebt das Geschäft.
Und was halten Sie von den Republikanern? Sie kennen ja deren Spitzenkandidat Haymo Hoch aus Zwingenberg.
Hoch kenne ich vom Sehen, aber seine politisch-historische Einstellung finde ich nicht in Ordnung.
Sind die Grünen eine Dagegen-Partei, wie ihnen vorgeworden wird?
Nein. Der Wähler weiß auch, dass das nicht stimmt. Wenn wir gegen etwas sind, dann begründen wir das.
Welche Schwerpunkte setzen Sie bei der Kreistagswahl?
Angesichts des Geldmangels sind wir bewegungsunfähig. Zum Glück haben wir inzwischen gut ausgestattete Schulen. Zum Teil wurde dafür aber zu viel Geld ausgegeben, beim Heppenheimer Starkenburg-Gymnasium 5 Millionen Euro zu viel. Das Problem ist, der Eigenbetrieb Gebäudewirtschaft wird nicht durch den Kreistag kontrolliert. Wichtig ist nun absolute Haushaltsdisziplin, Kassenkredite müssen gedeckelt werden. Man muss sich Gedanken machen, ob manche Aufgaben an die Kommunen gegeben werden können. Andernfalls müssen die Kommunen ordentlich dafür zahlen, wenn der Kreis für sie Aufgaben wahrnimmt. Es gibt genügend Sparmöglichkeiten, freiwillige Leistungen müssen gestoppt werden. Sonst kommen wir aus der Schuldenspirale nicht mehr heraus.
Was halten Sie von der SPD-Idee, Regionalkreise zu bilden?
Wir Grüne sind für die Auflösung der Landkreise und auch des Regierungspräsidiums Gießen. Die Kommunen müssten ihre Aufgaben selbst erledigen. Das geht nicht von heute auf morgen, es wäre ein mehrjähriger Prozess.
Viele sind gegen Windräder in schöner Landschaft. Was sagen Sie?
Es gibt auch Grüne, die Windräder hässlich finden, aber das ist keine Frage der Ästhetik. Angesichts der gefährlichen Atomenergie und dem realen Horror, den die Menschen in Japan zurzeit erleben, wird deutlich, dass die Atomenergie immer ein Risiko darstellt. Die Atomkraftwerke in Biblis müssen sofort abgeschaltet werden. Jede jetzt notwendige Sicherheitsüberprüfung, für die ein Reaktor steht, führt dazu, dass er länger laufen darf. Nach unserer Einschätzung bedeuten die Beschlüsse von Schwarz-Gelb daher das Festhalten an Atomkraft bis über das Jahr 2050 hinaus - die deutschen AKWs werden dann älter sein als die Anlage in Fukushima, die derzeit den Super-GAU erlebt. Die Bergsträßer Grünen fordern ein sofortiges Abschalten von Biblis A und B, kein weiteres Rumlavieren mit Sicherheitsüberprüfungen und Moratorien. Der Umstieg auf erneuerbare Energien muss beschleunigt werden.
Einige Naturschutzverbände sind für eine ICE-Neubaustrecke diagonal durch den Lampertheimer Wald. Sehen das die Grünen auch so?
Nein, wir sind für eine Trasse, die gebündelt mit der Autobahn 67 verläuft, und zwar westlich davon.
Das Interview führte Oliver Lohmann / (c) Lampertheimer Zeitung 16.03.2010

Foto: Grünen-Spitzenkandidatin Evelyn Berg findet, Frauen seien sparsamer. Foto: AfP Asel

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