06.02.2014

Internationaler Tag: Null Toleranz für weibliche Genitalverstümmelung

Das Kreisvorstandsmitglied der Grünen im Kreis Bergstrasse, Vertreterin in den Landes- und Bundesfrauenrat Heidi Besas berichtet von ihrer Arbeit als Menschenrechtlerin gegen ein Jahrtausende altes Ritual. „Wir kämpfen nicht gegen die Tradition, sondern für das Ende eines Gewaltaktes, der gesundheitsgefährdende Auswirkung auf das Leben vieler Frauen hat“ Wir kämpfen für ein Ende von ritueller Gewalt an Frauen und Mädchen. Wir setzen uns für die Gesundheit von Frauen und Mädchen ein.
„Weibliche Genitalverstümmelung (so der internationale Begriff der WHO) ist nicht nur ein Problem ferner Ländern“: wie Heidi Besas berichtet, „sondern auch in Europa werden Mädchen ohne medizinische Indikation an ihren Genitalien beschnitten und verstümmelt, so, wie wir es in Deutschland auch vermuten. Viele Migrantinnen aus der Sub-Sahara halten an den heimatlichen Riten einer Genitalverstümmelung fest.“
Daher begrüßt Heidi Besas, (Geschäftsführerin des Vereins FORWARD-Germany e.V., Aktion gegen Ritualisierte Gewalt (gegründet wurde er 1998 von internationalen Menschenrechtsaktivistinnen in Frankfurt), den ersten gemeinsamen Schritt aller afrikanischer Länder bei einem Gipfel im Sommer 2011. Die Staatschefs verabschiedeten eine gemeinsame Charta anlässlich der alljährlichen  Konferenz der Afrikanischen Union in Malabo in Äquatorialguinea. Diese Charta erkennt ausdrücklich  FGM als Menschenrechtsverletzung an und spricht sich für ein generelles Verbot in allen afrikanischen Ländern aus.
Bereits im  Jahr 2003 wurde auf Initiative des Inter-Afrikanischen Komitees: Comité inter-Africain/Inter African Committe: (IAC/CI-AF) der 6. Februar als Gedenktag ausgesprochen. Jetzt proklamiert die UN den 6. Februar als Aktionstag „Null Toleranz gegenüber weiblicher Beschneidung oder Genitalverstümmelung (FGM/MGF: Femal Genital Mutlilation/Mutilations Genitales Féminines.)
Bis heute haben mehr als 20 von den 29 betroffenen afrikanischen Ländern, Gesetze verabschiedet, um diesen traditionellen Brauch abzuschaffen. Die letzten Länder waren 2010 Uganda, gefolgt ein Jahr später, von Guinea-Bissau im Juni und Kenia im September 2011. Zahlreiche lokale Gemeinschaften aus Ländern, die keine Gesetze haben oder die Gesetzgebung nicht anwenden, wie z.B. Äthiopien, Gambia, Mali, haben sich durch öffentliche Verzichtserklärung verpflichtet, die Beschneidung/Verstümmelung der weiblichen Genitalien nicht mehr ausführen zu lassen. Diese Volksgruppen haben im Beisein von religiösen Würdenträgern und Dorfältesten ihr Ehrenwort gegeben. Die Anwesenheit der Vertreter des Islams war auch für die meisten Frauen Garant, dass sie die islamischen Prinzipien gemäß ihrem Glauben nicht verletzen, obwohl der Islam keine Beschneidung der Frauen ausdrücklich verlangt. Die einseitige Interpretation der islamischen Suren habe dazu geführt, dass zahlreiche Länder diesen Brauch vollziehen, aber auch Anhänger der anderen Religion, wie Christen in manchen Ländern aus traditionellen Gründen dem Brauch treu bleiben. Das Gesetz bedeutet nicht eine sofortige Mentalitätsänderung der lokalen Bevölkerung  aber es wird die Arbeit der engagierten Aktivistinnen erleichtern.
Wenn in den letzen beiden Jahren Fortschritte in der Präventionsarbeit erzielt wurden, dürfen wir nicht verkennen, dass der Weg noch lang ist,  bis alle betroffenen Volksgruppen in Afrika, Asien (Indonesien) und in den arabischen Ländern wie Jemen, Südirak  und alle MigrantInnen in der Diaspora, auf dieses Ritual freiwillig verzichten. In diesem Zusammenhang sei auch erwähnt, dass die letzte Gesprächsrunde am 23.1.2014 beim Bundesministerium für Entwicklung und technologische Zusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland, sowie die Fachsitzung des Netzwerkes Integra am 24.01. auf der Frau Besas jeweils als Vertreterin der Menschenrechtsorganisation anwesend war,  auf einige Erfolge zurückblicken können. Seit September 2013 ist Genitalverstümmelung ausdrücklich ein eigener Straftatbestand der schweren Körperverletzung und seit Januar 2014 ist ein eigener Diagnoseschlüssel in Kraft, der es Ärzten ermöglichst, ihre Leistungen bei von FGM betroffenen Patientinnen kassenärztlich abzurechnen. Ebenso wurde im September letzten Jahres ein Krankenhaus in Berlin mit einer Fachabteilung zur Rekonstruktion der weiblichen Genitalien eröffnet. Der Vorstellung und der Arbeitsweise nach der Operationsmethode von Dr. Pierre Foldés aus Paris konnte Frau Besas bei einem medizinischen Fachvortrag beiwohnen. Sie wird Dr. Foldés persönlich am 05.02.2014 in Düsseldorf treffen.
Seit vielen Jahren unterstützt Heidi Besas  das EuroNet FGM (europäisches Netzwerk gegen FGM, mit Sitz in Brüssel), sowie das Interafrikanische Komitee,  sich verstärkt in den afrikanischen Ländern zu engagieren, um alle dortigen Kräfte bei ihren Bemühungen tatkräftig zu unterstützen. Am 25.1.2014 wurde sie von den afrikanischen Frauen in den Vorstand von EuroNet FGM gewählt.
„Die Mädchen aus Einwandererfamilien in Deutschland haben auch das Recht unversehrt aufzuwachsen. Wir dürfen nicht zulassen, dass sie Opfer einer solchen Menschenrechtsverletzung hierzulande oder während des heimatlichen Urlaubs Opfer infolge einer tradierte Sitten werden, ohne ihnen den nötigen Schutz zu gewähren“: so Frau Besas in ihrer Erklärung.
Auch wenn die FGM/MGF lange Zeit in den meisten afrikanischen Ländern als positive soziale Norm angesehen wurde, ist es heute wissenschaftlich erwiesen, dass dieser gesundheitsgefährdende Brauch schlicht schlimme Folgen hat und sogar schwere körperliche und seelische Schäden mit sich bringt.
Weiterhin führt die Menschenrechtsaktivistin Besas aus: „Im Namen einer völligen Integration der Mädchen und Frauen, die in Deutschland leben, fordern wir nicht nur die Bundesregierung auf, sondern auch das Land Hessen  -  im Einklang mit dem deutschen Netzwerk „Integra  Deutsches Netzwerk zur Überwindung weiblicher Genitalverstümmelung“- einen Nationalen Aktionsplan zu verabschieden, wie er in den anderen europäischen Ländern bereits seit Jahren existent ist und angewendet wird.“ Ferner fordert sie Maßnahmen, die die Präventionsarbeit zum Schutz gefährdeter Mädchen gewährleisten. Darüber hinaus plädiert sie  für eine angemessene Sensibilisierung der Bevölkerung, bundesweite behörden- und kirchenunabhängige Beratungsstellen, die auch eine Gesundheitslotsenfunktion wahrnehmen, die  Fortbildung von Fachkräften und die Erhebung von wissenschaftlichen fundierten  Daten. „Der rote Stift darf hier nicht angesetzt werden, wenn es um die Gesundheit von tausenden von  Bürgerinnen unseres Landes geht“, so das Kreisvorstandsmitglied.  Ebenso haben die Frauen und Mädchen aus den Prävalenzländern, wie z.B. Somalia, dem Jemen oder Äthiopien, ein Recht darauf, dass ihnen hier in genderspezifisches Asyl gewährt wird.
Aus der Notwendigkeit, dass sich FGM Aktivistinnen vernetzen, wird auf Initiative von Frau Besas am 22.02.2014 in Frankfurt ein hessenweites „Netzwerk Prävention vor FGM“ ins Leben gerufen. Als nächstes soll ein Gesprächskreis mit AktivistInnen und PolitikerInnen auf Landesebene einberufen werden, damit Schritte Richtung Prävention in die Wege geleitet werden können.

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