17.07.2007

1.) CO2-Abscheidung – Rettung der Kohlekraftwerke und Beitrag zum Klimaschutz?

Massive Ausbaupläne haben viele der grossen Energieversorger für ihre Kohlekraftwerks-Parks. Und sie finden Unterstützung in der Politik, mit vielfältigen Argumenten: ostdeutsche Politiker setzen sich für einen Ausbau der Braunkohleverstromung und eine Ausweitung des Braunkohle-Tagebaus ein, um Arbeitsplätze im Osten zu schaffen. Westdeutsche Politiker wie ausgerechnet Umweltminister Gabriel (SPD) behaupten, die Kohleverstromung sei notwendig, um starke Strompreisanstiege zu verhindern, wenn die Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Und ganz schlaue Befürworter der Atomkraft wie Ministerpräsident Koch (CDU) fördern die Kohlekraftwerke, um eine allzu starke Fokussierung auf erneuerbare Energien zu verhindern – damit sie durch die Hintertür das Loblied der angeblich CO2-freien AKWs weiter singen können.

Dass Kohlekraftwerke (insbesondere Braunkohle) gerade beim Klimaschutz massiv die CO2-Bilanz verhageln, ist nicht ganz unbekannt. Daher wird verstärkt die Möglichkeit der sogenannten CO2-Abscheidung (CO2-Sequestration) ins Spiel gebracht, um Kohlekraftwerks-Neubauten zu rechtfertigen.

Allerdings: die Gesamtbilanz der CO2-Abscheidung ist verheerend! Nach einem Gutachten des Umweltbundesamtes (http://www.umweltbundesamt.de/energie/archiv/CC-4-2006-Kurzfassung.pdf) sind die harten Fakten:

· Es gibt nach dem Stand der Forschung derzeit wenige bis keine sicheren CO2-Endlagerstätten

· Der Stromgestehungspreis würde durch CO2-Abscheideanlagen um mindestens 70% steigen

· Der Primärenergieverbrauch der Kohleverstromung würde um 30% steigen

· Kraftwerke ohne integrierte, also bereits beim Kraftwerksbau eingeplante Abscheideanlagen, sind nicht wirtschaftlich nachrüstbar.

Fazit: statt Abscheidung wäre Verabschiedung von der Kohleverstromung wesentlich sinnvoller, ökolo-gisch und ökonomisch!

 

2.) Erneuerbare Energien 2006 weiter im Aufwind

Auch im Jahr 2006 war erneut ein zweistelliger Anstieg (12,2%) des Anteils erneuerbarer Energien an der Deutschen Energieversorgung zu verzeichnen: die Erneuerbaren stellten bei einem Endenergieanteil insgesamt von 7,4%

• 11,8% des Endverbraucher-Stroms

• 5,9% der Wärmebereitstellung

• 4,7% des Kraftstoffs

Den höchsten Gesamtanteil (rund 2/3) hatte dabei die Biomasse-Nutzung, gefolgt von der – von der Landes-CDU geschmähten – Windkraft, die mit 5% den höchsten Stromanteil lieferte.

Mit rund 190 Terawattstunden (TWh) Endenergie haben die Erneuerbaren Energien übrigens fast unbemerkt in 2006 die Atomkraft (163 TWh) erstmals überholt – ein Grund zum Feiern für alle UnterstützerInnen Grüner Energiepolitik!

3.) Oberster Wissenschaftler Japans fordert Überdenken der Atomausbaupläne

Kiyoshi Kurokawa ist in Japan und international kein unbekannter Wissenschaftler – er ist immerhin der oberste Wissenschaftsberater der japanischen Regierung, Vorsitzender des Science Council of Japan.

Da war es der Zeitschrift „Technology Review“ doch ein Interview wert, als dieser angesehene Wissenschaftler anlässlich des G8-Gipfels in Heiligendamm kundtat, dass er die japanischen Atomkraft-Ausbaupläne für „überdenkenswert“ hält.

In einem Interview mit „Technology Review“ erklärte Kurokawa auch, warum:

„Technology Review: Was halten Sie von dem globalen Ausbau der Atomenergie?

Kurokawa: Ich frage mich, ob der sich aufrechterhalten lässt. Wenn man die Zahl der Atommeiler er-höht, erhöht man gleichzeitig das Risiko der Verbreitung von Atomwaffen und die Ziele für Terrorangriffe. Außerdem: Wie kann man garantieren, dass Unfälle wie 1986 in Tschernobyl oder 1979 im amerikanischen Atomkraftwerk Three Mile Island niemals wieder geschehen?

Und letztlich ist die Frage der Atommüllendlagerung noch gänzlich ungelöst. Selbst der größte Atom-stromproduzent USA hat sich noch nicht entschieden, was damit geschehen soll. Für die globale mensch-liche Sicherheit ist es wichtiger, die Millenniums-Ziele der UN wie die Halbierung der Armut bis 2015, Schulausbildung für alle oder ökologische Nachhaltigkeit zu erreichen.“

Dem ist wenig bis nichts von unserer Seite hinzuzufügen......

4.) Biomasse richtig nutzen

Biomasse-Nutzung – aber wie am besten? Diese Frage scheint nicht einfach zu beantworten. Auch auf der LMV in Wetzlar war aus der Landtagsfraktion und den BewerberInnen durchaus Unterschiedliches zu hören. Da trifft es sich gut, dass es zu diesem Thema aktuelle Zahlen gibt: aus der Schweiz (EMPA, die schweizerische Anstalt für Materialwissenschaften und Technologie) eine Untersuchung zur Gesamt-Ökobilanz der Herstellung verschiedener Biotreibstoffe (linkes Bild),

 

und aus Deutschland (vom Zentrum für Solarenergie und Wasserstoffforschung) die CO2-Vermeidungspotenziale durch den Einsatz von Biomasse bei unterschiedlicher Nutzung (rechtes Bild; Legende: CHP= Combined Heat and Power = Kraft-Wärme-Koppelung, SNG = Synthesegas (aus Biomasse-Vergasung)).

Fazit: nur Biomasse-Vergasung macht wirklich Sinn, und Holz ist nach Reststoffen das beste Basismate-rial. Nur Zuckerrüben sind bei gezieltem Anbau ausser Holz noch im „Grünen Bereich“.

Autor: Ralf Löffler (energiepolitischer Sprecher im KV Bergstrasse)

URL:http://www.gruene-bergstrasse.de/energie-newsletter/energie-newsletter-nr-1/