09.08.2007

1.) Neues von der Solarenergie

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Die Solarenergie hat unter den erneuerbaren Energiequellen zwar das grösste Potenzial - dennoch wird ihr häufig vorgeworfen, eine schlechte CO 2 -Bilanz und hohe Stromgestehungskosten aufzuweisen (s. Seite 2). Das ist für die heute eingesetzten Photovoltaik-Techniken auch grundsätzlich richtig - aber Solarenergie besteht aus weit mehr als der Photovoltaik!

Fast wirtschaftlich ist heute die Solarthermische Erzeugung von Warmwasser mittels Sonnenkollektoren; die CO2-Bilanz dort ist ebenfalls wesentlich besser als bei Photovoltaik.

Grosstechnische Stromerzeugung aus Solarenergie erlebt derzeit in Spanien eine Renaissance - dort wurden und werden nach langer Zeit in deutsch - spanischer Kooperation wieder solarthermische Kraftwerke gebaut. Bei Sevilla ein Solarturmkraftwerk namens „PS10" mit einer Leistung von 11 Megawatt (MWe).

Weitere Kraftwerkstypen werden auf der Solaren Testplattform in Almeria getestet, um deren Wirtschaftlichkeit weiter zu verbessern. Darunter befinden sich die Parabolrinnen-Kraftwerke, eine neue Variante mit Fresnel-Linsen und Dish-Stirling-Konzepte (von links nach rechts, Bilder: DLR,  http://www.dlr.de/energie). Auch Solare Aufwindkraftwerke sind weiter in der Diskussion.

 

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2.) Atomkraft - nur Störfälle sind sicher

In der letzten Ausgabe hatten wir den obersten Wissenschaftsberater Japans, Prof. Kurokawa, mit seinen Zweifeln an der Sicherheit der Atomkraft zitiert. Kurz danach erlebte Japan seinen Atomaren beinahe-SuperGAU: die Atomanlage in Kashiwazaki, das gösste Atomkraftwerk der Welt, wurde bei einem Erdbeben der Stärke 6,8 stark beschädigt.

Erdbeben können passieren, könnte man sagen - nur spricht Bände, dass der Energieversorger Tepco, Betreiber der Anlage, trotz neuer geologischer Erkenntnisse seit Jahren abstreite, dass sich das Atomkraftwerk auf einer sogenannten „Aktiven Verwerfung" befindet. Deswegen war es auch nur auf Beben bis zur Stärke 6,5 ausgelegt.

Bilanz, soweit heute bekannt: Austritt von Radiaktivität in die Luft und das Meer, Schäden an der Anlage in bisher nicht bekanntem Ausmass. Wegen der mangelnden Bereitschaft, neue Erkenntnisse aus der Geologie und Seismologie bei der Prüfung der Sicherheit der Japanischer Atomkraftwerke zu berücksichtigen, ist übrigens der Seismologe Professor Katsuhiko Ishibashi aus einer staatlichen Kommission zur Festlegung neuer Richtlinien für die

Erdbebensicherheit von Atomkraftwerken ausgetreten.

Prof. Ishibashi rechnet mit einem verheerenden Erdbeben in naher Zukunft, bei dem ein japanisches Atomkraftwerk zerstört werden könnte. Wenn das Finanz- und Wirtschaftszentrum Tokyo davon betroffen würde, wären die weltweiten Wirtschaftsfolgen unabsehbar....

Aber die Atomlobby will uns weiter glauben machen: Japan ist technologisches Entwicklungsland, deswegen sind Atomkraftwerke dort unsicher und bei uns sicher. Ausnahmen wie Krümmel, Brunsbüttel, Biblis bestätigen die Regel.

3.) CO 2 -Bilanz verschiedener Stromerzeugungstechniken

Das energiepolitisch recht grünen-nahe und unverdächtige Öko-Institut Darmstadt hat kürzlich eine Untersuchung zum Lifecycle-CO 2 -Ausstoss verschiedener Energieträger veröffentlicht, der für die Landes-CDU scheinbar eine Steilvorlage war: laut CDU besage das Gutachten, dass Solarenergie bäh und Atomkraft toll sei, wenn es um den CO 2 -Ausstoss und damit den Klimaschutz ginge.

Das ist in der Interpretation ziemlich an den Fakten vorbei geschossen, was uns bei der CDU ja nicht überrascht: das Gutachten besagt nämlich, dass auf der Basis der derzeit eingesetzten Technologien Atomkraftwerke zunächst einmal einen höheren CO 2 -Ausstoss haben als beispielsweise Windkraftanlagen oder sogar Blockheizkraftwerke auf Erdgas-Basis. Bei Atomkraft ist dabei allerdings die Endlagerung nach der Beschreibung in der Untersuchung nicht berücksichtigt; hier gibt es eine Unklarheit. Verständlich, dass die Atomfreudige Landes-CDU diesen Umstand nicht erwähnt.

Der CO 2 -Ausstoss der Solarenergie wurde gar nicht ermittelt; lediglich der der heute eingesetzten Photovoltaik-Systeme (zu den Unterschieden s. Seite 1). Dieser ist in der Tat im Mittel höher als bei der Atomkraft. Das liegt am hohen Energieaufwand für die Herstellung des Silizum-Wafers, aus dem die Einzelzelle bei kristallinen Solarzellen hergestellt wird. Beim deutschen Strommix ergibt dieser Energieaufwand einen beträchtlichen CO 2 -Ausstoss. Aber: es gibt Photovoltaik-Hersteller, die ihren Strom selbst aus regenerativen Energien beziehen. Dann sinkt der CO 2 -Ausstoss stark ab. Und Dünnschicht- Solarzellen haben ohnehin eine ganz andere Bilanz.

Generell unterscheidet das Gutachten noch zwischen CO 2 -Ausstoss und Treibhauswirkung - zurecht, denn bei den Produktionsprozessen fallen auch andere Treibhausgase an. Und in der Betrachtung der gesamten Treibhausgase schneiden dann Gas-basierte Technologien wieder schlechter ab, weil (in geringen Mengen unverbrannt freiwerdendes) Erdgas selbst eine beträchtliche Treibhauswirkung hat......

Das Fazit der Untersuchung: „All in all, renewable electricity and electricity efficiency have lower Greenhouse-gas emissions than nuclear electricity. Small-scale gas cogeneration plants are close to nuclear..."

Fazit zur CDU: Wer lesen kann, ist klar im Vorteil!

 

Autor: Ralf Löffler (energiepolitischer Sprecher im KV Bergstrasse)

URL:http://www.gruene-bergstrasse.de/energie-newsletter/energie-newsletter-nr-2/