23.04.2007

Evelyn Berg: Ausbildung

Sehr geehrter Herr Kreistagsvorsitzender, sehr geehrten Damen und Herren, die SPD hat heute einen Antrag gestellt, um im Kreis Bergstrasse eine Offensive für Ausbildung zu starten. Ziel ist die Erhöhung der Anzahl der Ausbildungsplätze, Mittel das verstärkte Einbringen und Koordinieren von Jugendberufshilfe, neue Wege und Wirtschaftsförderung, dazu noch Städte und Gemeinden, IHK und Handwerkskammer, Gewerkschaften und Berufsschule. Das ist ein fürwahr ein umfassender Antrag, der allerdings von der Wirklichkeit überholt wurde. Die Situation auf dem Lehrstellenmarkt im Kreis Bergstrasse ist entspannt und sie ist dramatisch. Beides trifft zu. Die IHK hat sehr erfolgreich sogenannte Seniorexperten in den Einsatz für neue Lehrstellen gestellt. Das Klinkenputzen für Ausbildungsplätze geht auch in diesem Jahr weiter. Fünf Seniorexperten sind seit Februar für die Industrie- und Handelskammer (IHK) Darmstadt in der Region Darmstadt Rhein Main Neckar unterwegs, um neue Ausbildungsbetriebe zu gewinnen. 2006 konnte die IHK Darmstadt die Zahl der aktiv ausbildenden Unternehmen nochmals erhöhen. Insgesamt wurden über 3.410 Verträge registriert, damit wurde der höchste Wert seit über zehn Jahren erreicht. Die Zahl der aktiven Ausbildungsunternehmen bei der IHK stieg im letzten Jahr auf 2.337. Die Steigerung ist erster Linie auf das mühsame, aber letztlich erfolgreiche Haustürgeschäft der IHK-Ausbildungsberater zurückzuführen. Die ehrenamtlichen Werber besuchen Unternehmen und rühren die Werbetrommel für die duale Ausbildung vor Ort. Seit mehreren Monaten hat sich die Lehrstellensituation im IHK Bezirk Darmstadt durch solche Bemühungen und durch die wirtschaftliche Aufhellung also erfreulich aufgehellt. Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass davon Jugendliche mit besonderen Problemlagen abgekoppelt sind. Ausbildungsplätze gibt es nicht oder nur mit verstärkten Anstrengungen durch Vermittlung Dritter, wenn Zeugnisse nicht vorhanden sind, Deutschsprachkenntnisse fehlen oder konkrete soziale und theoretisch-praktische Fähigkeiten. Es geht eine Schere durch: schon bei den Jugendlichen genauso wie auch durch die Gesamtbevölkerung. Wir Politiker müssen da die Augen aufmachen und nicht zuwarten. Leider ist das ein verstärktes von dem, was wir ohnehin schon immer getan haben, also von Einbringen und Koordinieren, von runden Tischen und Treffen der beteiligten Behördenmitarbeiter nicht hilfreich. Wir Grüne sagen schon seit Jahr und Tag, dass Bildung weiter gedacht werden muss, dass mehr Geld in Bildung und Schule, insbesondere Lehrerstellen gesteckt werden muss. Wir müssen hier und heute für benachteiligte Jugendliche systematisch „Assistierte Ausbildung“ einführen: Jugendliche bekommen von der Schule oder der Jugendhilfe über die gesamte betriebliche Ausbildung hinweg einen persönlichen Ansprechpartner zur Seite gestellt, der sie unterstützt und bei Konflikten in Schule und Betrieb vermittelt. Wir brauchen verkürzte Ausbildungsberufe, damit niemand unqualifiziert bleibt. Genauso wenig wie jemand ohne qualifizierten Schulabschluss bleiben soll.

Für einen Antrag, der solche Forderung beinhaltet, würden wir unsere Stimme geben. Der vorliegende Antrag der SPD bringt uns leider nicht weiter und wir lehnen ihn ab. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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URL:http://www.gruene-bergstrasse.de/kreistagsfraktion/fraktions-archiv/2006-2011/redebeitraege-2006-2011/expand/558884/nc/1/dn/1/