17.06.2008

Evelyn Berg: Schuldnerberatung im Kreis Bergstrasse (I)

Im Spiegel konnte man es dieser Tage wieder lesen: „Jedem zweiten Deutschen fehlt Finanz-Kompetenz.“ Fast jeder zweite Bundesbürger weiß nicht genug, um wichtige Geldfragen selbständig und vernünftig entscheiden zu können. Dieses Nichtwissen ist in Zeiten ökonomischen Wachstums und sicherer Arbeitsplätze vielleicht hinnehmbar, aber in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, niedriger Löhne und steigender Inflation kommt es zu einer steten Zunahme überschuldeter Haushalte.

Als vor einigen Jahren die Zuschüsse für die Schuldnerberatung in Gefahr standen, ich sage als Stichwort nur „Aktion Düstere Zukunft“, haben wir dringend vor einer Reduktion der Landesmittel in diesem Bereich gewarnt. Überschuldete Haushalte fallen als Konsumteilnehmer aus. Der uns nun vorliegende Antrag der Koalition will uns nun vorgaukeln, dass das Kind, das im Brunnen liegt, mit Prävention gerettet werden könne.

Das geht aber weder logisch noch real.

Natürlich ist es gut, schon bei den Kindern und Jugendlichen anzufangen mit Haushaltsplänen, Taschengeldeinteilen etc. Aber vor allen Dingen müssen das die Erwachsenen vorleben. Auch wir hier im Kreistag. Und tun wir das? Mitnichten: Jahr für Jahr wird ein Defizit ausgewiesen, das in diesem Leben nicht mehr auszugleichen ist.

Im Kreis Bergstrasse mussten die in der Schuldnerberatung Tätigen ihre Stellen kürzen und mit verringerter Stundenzahl versuchen, die Leistung aufrechtzuerhalten.

Das ist fast nicht vorstellbar, in Zeiten, in denen Überschuldung immer mehr Personen trifft. Es sind ja nicht nur die „einfachen“ Konsumentenkredite, die aus dem Ruder laufen. Für viele Personen ist die Schuldnerberatung der einzige Lichtblick, um überhaupt noch mal auf die Füße zu kommen.

Das neue Insolvenzrecht, nach dem der Einzelne Überschuldete sieben Jahre bestimmte Richtlinien einhalten muss, schreibt zwingend eine Schuldnerberatung vor.

Im vorliegenden Antrag wird der dringende Handlungsbedarf gerade im Kreis Bergstrasse vertagt und hinter der Formulierung „für die Finanzierung des Ausbaus der Schuldenberatung sollen die Banken … gewonnen werden…“ versteckt.

Wenn Sie im Kreis Bergstrasse wirklich etwas für die überschuldeten Bürgerinnen und Bürger tun wollen und für die Schuldnerberatung, sollten Sie unserem Änderungsantrag zustimmen:

„Der Kreistag beauftragt den Kreisausschuss, sich mit den konkreten Möglichkeiten des Kreises Bergstrasse zu befassen, die Schuldnerberatung personell und finanziell im Kreis Bergstrasse zu verankern. Dabei soll insbesondere darauf hingewirkt werden, die Kürzung der Landesmittel in diesem Bereich rückgängig zu machen.“

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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URL:http://www.gruene-bergstrasse.de/kreistagsfraktion/fraktions-archiv/2006-2011/redebeitraege-2006-2011/expand/558902/nc/1/dn/1/