04.11.2008

Franz Apfel zum Altenhilfeplan (II)

Vor wenigen Monten beantragte die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen die Fortschreibung des Altenhilfeplans im Kreis Bergstraße. Heute beraten wir über den Teilbereich Wohnen im Alter. Wir unterstützen die Vorlage, die vom Engagement der Mitarbeiterin zeugt. Der Wunsch der allermeisten älteren Bürger ist es in ihrer Wohnung, in ihrem eigenen Lebensumfeld möglichst selbstständig wohnen zu bleiben. Die wenigsten älteren Menschen wohnen in speziellen Seniorenwohnheimen oder Altenpflegeheimen. Häufig ist der Wohnungsbestand jedoch nicht seniorengerecht und weist innere wie äußere Barrieren auf. Diese Wohnungen müssen entsprechend den individuellen Bedürfnissen und den finanziellen Möglichkeiten barrierearm umgebaut werden. Stufen und Balkonschwellen werden im Alter oft zu schwer überwindbaren Hindernissen, Armaturen in Küche und Bad lassen sich nur noch schwer bedienen. In vielen Fällen kann hier mit einfachen Mitteln Abhilfe geschaffen werden: neue Wasserhähne mit großen Hebeln lassen sich leichter bedienen, Haltegriffe machen das Bad sicherer. Technische Hilfsmittel wie Wannenlifter und Umbauten, beispielweise der Einbau von Duschen ohne Rand sind möglich. Solche Wohnraumanpassungen helfen, dass das Leben in den eigenen vier Wänden auch im Alter komfortabel bleiben kann.

Um diese Thematik breiter in der Öffentlichkeit zu verankern, bedarf es der Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Sparkassen und Handwerksverbänden. Neben dem Aufzeigen der notwendigen Änderungen an einer Wohnung, um diese barrierefrei zu machen, können die Sparkassen über Finanzierungsmöglichkeiten informieren. Unser Ergänzungsantrag zu diesem Thema wurde von Herrn Kreisbeigeordneten Metz umformuliert und in die Handlungsempfehlungen aufgenommen. Entscheidend ist, dass die Kommunen diese Idee vor Ort mit Leben füllen. Hier gibt es vielfältige Chancen, ich nenne drei:

- die älteren Menschen können länger in ihrem gewohnten Lebensumfeld mit verbesserten Rahmenbedingungen wohnen bleiben;

- das Handwerk profitiert von Aufträgen, kann Arbeitsplätze sichern, Ausbildungsplätze anbieten; Herr Landrat, dass ist wie ein Bruder ihres Bergsträßer Modells bei den Schulen.

- Die Sparkassen und Volksbanken werden davon ebenfalls profitieren und damit auch die Kommunen.

Auch unser zweier Ergänzungsantrag zu den Handlungsempfehlungen wurde in modifizierter Form aufgenommen. Die Kommunen im Kreis haben generell die zentrale Aufgabe den Prozess einer älter werdenden Gesellschaft zu moderieren, im gewissen Maß zu steuern und Konsequenzen zu ziehen. Der demographische Wandel - älter werdende Gesellschaft - betrifft alle Handlungsfelder in einer Kommune, von der Seniorenpolitik über den Stadtumbau bis hin zu einer kinder- und familienfreundlichen Infrastruktur. Wir setzen auf eine breite Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.

Auf Vorschlag des Kreisseniorenbeirates soll eine Broschüre Wohnen im Alter" aufgelegt werden. Auch hier wurde vom Dezernenten Herrn Metz zugesagt, dass die Broschüre erstellt wird und auch den Kommunen zur Ausgabe übergeben werden.

Meine Damen und Herren, wir stimmen dem Beschluss zur Fortschreibung des Altenhilfeplans Wohnen im Alter zu. Wir sind aber auch der Überzeugung, dass die Kommunen vor Ort diesen Beschluss mit Leben füllen müssen. In den Kommunen spielt die Musik und dort müssen die Zukunftskonferenzen unter Einbindung der Bürgerinnen und Bürger stattfinden, vor Ort müssen die Kommunen mit den Sparkassen und Handwerksverbänden Initiativ werden.

Das jetzt zu verabschiedende Papier muß vor Ort mit Leben erfüllt werden. Im Kreistag sind viele Bürgermeister vertreten: an sie appelliere ich, machen sie den Weg für Wohnprojekte im betreuten Wohnen frei, fördern sie die Entstehung von Wohngemeinschaften mit Demenzerkrankten, initieren Sie Zukunftskonferenzen.

Franz Apfel im Kreistag Bergstrasse, Lampertheim 3.11.2008

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URL:http://www.gruene-bergstrasse.de/kreistagsfraktion/fraktions-archiv/2006-2011/redebeitraege-2006-2011/expand/558909/nc/1/dn/1/