13.11.2006

Armutsbericht für den Kreis Bergstrasse

Der Kreistag möge beschließen:

1. Die regelmäßige Berichterstattung über die Entwicklung von Armut und Reichtum ist ein wesentlicher Bestandteil moderner Sozialpolitik. Deshalb beschließt der Kreistag die Erstellung eines Armuts- und Reichtumsberichtes. Der Bericht soll alle fünf Jahre fortgeschrieben werden.

2. Methodik, Aufbau und Fragestellungen sollen sich an den Armuts- und Reichtumsberichten des Bundes oder einiger Bundesländer orientieren. Besonderes Augenmerk soll dabei auf Kinder- und Familienarmut gelegt werden.

3. Der Armuts- und Reichtumsbericht soll in enger Zusammenarbeit zwischen dem Sozialdezernenten und verschiedenen sozialen und zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren – etwa in einem Beirat- erstellt werden.

Begründung:

Armut ist ständige Herausforderung der Politik und die Vorbeugung und Bekämpfung von Armut sind entscheidende Handlungsfelder des Kreises. Die Erstellung eines Armuts- und -Reichtumsberichts in regelmäßigen Abständen stellt damit eine wesentliche Grundlage für verantwortungsvolle sozialpolitische Entscheidungen dar, insbesondere vor dem Hintergrund der Kommunalisierung sozialer Hilfen. Auch in einem wohlhabenden Landkreis existiert Armut. Armut betrifft bestimmte Personengruppen häufiger als andere und tritt in manchen Regionen deutlicher zutage als in anderen. Besonders Kinder und Familien leben trotz hoher staatlicher Transferzahlungen mit einem hohen Armutsrisiko. Kinderarmut ist weitgehend strukturell bedingt - durch mangelnde Integration von Kindern mit Migrationshintergrund, durch unzureichende Bildungsangebote, durch mangelnde Aufstiegschancen sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher, durch geringe Erwerbsquote von Frauen. Der Mangel an Geld ist zwar ein konstitutives Element der Armut, aber Armut wirkt auch über unzureichenden Zugang zu Bildung, Beratung und Dienstleistungen sowie Wohnraum. Deshalb darf sich der Armuts- und Reichtumsbericht nicht auf die Darstellung finanzieller Aspekte beschränken, sondern interdisziplinär ganzheitlich alle Felder der Sozialpolitik einbeziehen.

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URL:http://www.gruene-bergstrasse.de/archiv/antraege/antraege-2006-2009/expand/403237/nc/1/dn/1/