10.12.2007

Franz Apfel: Gymnasium in Lorsch

Herr Kreistagsvorsitzender, meine Damen und Herren, Bündnis 90/Die Grünen halten an der Einrichtung eines gymnasialen Angebotes in Lorsch fest. Lorsch ist Mittelzentrum, eine aufstrebende Stadt, mit Einwohner- und Bedeutungszuwachs. Und das sage ich neidlos als Bensheimer. Ich freue mich über die Entwicklung, die unsere Nachbarstadt nimmt. Das Lorscher Stadtentwicklungsgutachten geht davon aus, dass Lorsch auch in den nächsten fünf Jahren um ca. 1000 Einwohner auf dann ca. 13500 Einwohner wachsen wird. Selbst die ursprüngliche Fassung des Schulentwicklungsplans zeigt, dass die Zahlen für ein gymnasiales Angebot in Lorsch stimmen. Und dann kommt für uns als Grüne ein klar formulierter Elternwunsch in Form einer Unterschriftenaktion hinzu. Bei der Bürgermeisterwahl und bei der Kommunalwal in Lorsch wollten alle relevanten Kräfte in Lorsch dieses gymnasiale Angebot schaffen. Das war die Ausgangslage bei der Debatte um den Schulentwicklungsplan. Aufgrund dieser Ausganglage hatte der Landrat eine neue Formulierung für den SEP erfunden. Für uns als Grüne war damals bereits klar, das war eine Placebo-Formulierung. Diese Formulierung sollte die Lorscher CDU über die Kommunalwahl retten, mehr war das nicht und ich sage auch warum: Wer so zaghaft formuliert wie, ich zitiere: „....ist zu klären, ob das Kultusministerium die Zustimmung für ein Gymnasium in Lorsch erteilen kann.“ Zitat Ende, der will das nicht! Beim Empfänger einer so zaghaften Formulierung ist doch klar, dass da kein ernsthaftes Interesse dahinter steht, sonst würde man das klar und eindeutig in den Schulentwicklungsplan reinschreiben. Meine Damen und Herren, ich denke, das es besonders wichtig ist, auf diese Ausgangslage zu sprechen zu kommen, denn nur so ist die Vorgehensweise des Landrats bei der Bedarfserhebung zu erklären. Eine gymnasiales Angebot in Lorsch war und ist vom Landrat nicht gewollt. Wenn es anders wäre, hätten Elterversammlungen, Informationsabende und eine Zusammenarbeit mit der Stadt Lorsch diese Bedarfserhebung begleiten müssen. Die umfassende Information ist doch eine ganz wichtige Entscheidungsgrundlage und die fehlte hier. Und trotz dieser fehlenden Begleitung und der fehlenden Zusammenarbeit mit der Stadt Lorsch kamen doch ganz gute Ergebnisse für ein gymnasiales Angebot in Lorsch heraus. Wobei die Umfrage unter den Eltern von Viertklässlern nicht wirklich ernst gemeint sein kann. In der vierten Klasse haben sich Eltern längst entschieden, wohin ihre Sprösslinge weiter zur Schule gehen sollen. Die Umfrage unter den Drittklässlern ist schon interessanter, obwohl auch da realistisch denkenden Eltern klar ist, das das gymnasiale Angebot für ihr Kind nur „fiktiv“ sein kann. Es wird wohl so sein, je jünger die Schüler, desto besser werden die Umfrageergebnisse und das hat den nachvollziehbaren Grund, das sich Eltern mit einer Umfrage zu einem fiktiven gymnasialen Angebot nicht gerne auf die Schippe nehmen lasen. Viele werden wissen, dass das einige Jahre - bei entsprechendem politischen Willen vorausgesetzt -, dauern wird. Meine Damen und Herren, bereits bei der Schulausschusssitzung beantragte ich die Absetzung des Punktes und die Beratung über dieses Thema, wenn die Stellungnahme der Stadt Lorsch vorliegt. Und diese Stellungnahme soll ernsthaft beraten werden und zwar zunächst im Fachausschuss. Wir stellen deshalb folgenden Änderungsantrag zur Abstimmung: „Vor einer Entscheidung im Kreistag über ein Gymnasium in der Stadt Lorsch, wird die Stellungnahme der Stadt Lorsch zu diesem Thema im Ausschuss für Schule und Soziales beraten. Der Tagesordnungspunkt wird deshalb von der Kreistagssitzung am 10. 12. 2007 abgesetzt.“ Ich bitte sie um Zustimmung zu dieser, der Sache nach, angemessenen Vorgehensweise.

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