11.05.2009

Gerhard Ohlig zum SPD Antrag "Gutscheine für Sportvereine"

Nicht Geld führt dazu, dass Kinder sich mehr, oder überhaupt bewegen in Spiel und Sport, sondern die Einsicht der Eltern und der Kinder, dass es gut für sie ist. Für die Figur, für das Lernen, für die Psyche und das Selbstwertgefühl, für die Gesellschaftserziehung. Der Knackpunkt, nicht einem Verein beizutreten liegt viel tiefer als im Portemonnaie. Der verringerte Beitrag für Kinder ist nicht die Hemmschwelle.

Das Bundesland Sachsen ist aufgrund anderer, teils negativ besetzter Vereinskulturen für uns kein Maßstab. Ferner gilt es auf die Initiative des Gesundheitsamtes „Gesunder Kreis Bergstrasse“ hinzuweisen. Nach aufgebrauchtem Gutschein, steht man wahrscheinlich vor der gleichen Situation wie vorher, weil das Geld alleine nicht der Schalter ist. Kurzfristig wird man Kindern auch nicht unbedingt die breite Angebotspalette der Vereine nahe bringen können, um für sich das interessante und richtige herausfinden.

Der Verwaltungsaufwand der Vereine, der Boom der u.U. sofort nach Ausgabe der Gutscheine eintritt, kann auch negative Folgen haben, wenn man sich dem Andrang nicht mehr genügend widmen kann. Schon jetzt fehlen ehrenamtliche Kapazitäten, ausgebildete Betreuer, die bereit sind ihre Freizeit für die Freizeit anderer zu opfern. Selbstverständlich ist es wichtig Kinder in die Vereine zu bringen, um sie weg zu leiten von trägen Tätigkeiten wie Fernsehen, Computern, Playstation-Spiel.

Vereinzelung, Vereinsamung, Verlust von sozialen Kontakten, Freunden sind möglicherweise die Folge. Von den gesundheitlichen Folgen, die parallel auftreten, und den Kosten für die Gesellschaft brauchen wir nicht zu reden, das ist allseits bekannt. Die gesellschaftliche Aufgabe unserer Vereine, deren Engagement man nicht genug wertschätzen kann beinhaltet darüber hinaus das Angebot unsinniges Konsumverhalten in Vorsorge für die eigene Gesundheit zu wenden.

Dazu ist es aber nicht notwendig kurzfristig Erfolg durch einen Gutschein zu erzielen, sondern man sollte langfristig denken. Schnupperwochen, Ferienspiele, reduzierte Beiträge gibt es eh schon in den Vereinen. Die Eltern gehören dringend ins Boot geholt, z.B. sind Elternabende an den Schulen, die übrigens zu wenig und teilweise wegen unzureichender Ausbildung der Lehrer und Lehrerinnen nicht ad äquate Bewegung anbieten können, eine von geeigneten, langfristig wirkenden Maßnahmen. Bei solchen Elterninformationsveranstaltungen kann man sie themenbezogen, Bsp. Lokomotorik, Psychomotorik, motivieren, ihre Kinder ausgewogen anzuleiten, das eine zu tun ohne das andere zu lassen.

Lokomotorik: Fortbewegungen des Körpers wie Klettern, Laufen, Gehen und Springen
Psychomotorik: die Psychomotorik betont das Zusammenspiel des psychischen Erlebens des Menschen bzw. seiner psychisch-seelisch-emotionalen Entwicklung und der Entwicklung von Motorik und Wahrnehmung. Dabei werden die Einflüsse der sozialen und materiellen Umwelt auf das Gefüge von Psyche und Motorik mitberücksichtigt. Die Konzepte der Psychomotorik finden sich auch, mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung, unter den Begriffen Bewegungspädagogik, Bewegungstherapie, Motopädagogik, Motopädie, Mototherapie.

Solche Angebote hochausgebildeter ehrenamtlich tätiger Menschen gibt es in einigen unserer Vereine. Das lässt erkennen, dass es nicht mit einem Gutschein getan ist. Da die KollegInnen der SPD bei den SchülerInnen ansetzen, möchte ich für unsere Fraktion auch die Aufgabe des Schulsports noch mal erwähnen.
2 Schulstunden, von denen noch einige Zeit verloren geht, weil man Wege zu den Sportstätten oder auf den Schulhof zurück legen muss, sind zu wenig. Bitte beauftragen sie ihre Landespolitiker (Hr. Schmitt) an dieser Stelle aktiv zu werden. Natürlich auch die, der anderen Fraktionen, hier Hr. Stephan, CDU und
Hr. Sürmann FDP.

Warum sage ich 2 Schulstunden obwohl 3 im Lehrplan verankert sind? Weil i.d.R. nur 2 gegeben werden. Es gibt sicher Schulen, die vorbildlich sind, aber im Schnitt gibt es da Handlungsbedarf. Ich möchte für meine Fraktion einen Vorschlag unterbreiten,: geben Sie uns Zeit (Auftrag an den Kreisauschuss) bis zum Jahreswechsel 2009/2010, in 10 ausgewählten Vereinen des Kreises abzufragen, wie viele Kinder der angesprochenen Altersklasse Vereinssport betreiben. Diese Zahl mit den Schülerzahlen verglichen stellt den tatsächlichen Bedarf im Kreis Bergstrasse fest. Anschließend setzen wir den Ausschuss für Schule und Soziales ein, Maßnahmen zur Unterstützung des Vereinssports, mit Schwerpunkt Integration neuer Mitglieder aus den angesprochenen Schüler-(Alters)gruppen zu erarbeiten.
Vereinsvertreter sowie Kreis-Schulelternbeirat sind hinzu zu ziehen.

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URL:http://www.gruene-bergstrasse.de/archiv/redebeitraege/redebeitraege-2006-2011/expand/403421/nc/1/dn/1/